Angel Beats!

Was ist Erlösung?

 

Otonashi wacht auf und findet eine merkwürdige Szene vor sich: Ein fremdes Mädchen zielt mit einer Waffe auf ein anderes Mädchen. Ziemlich schräge Situation. Da das Mädchen mit der Waffe doch glatt behauptet, dass er eigentlich schon tot sei und dass sie gemeinsam gegen dieses andere Mädchen, den Engel, kämpfen sollen, beschließt Otonashi auf der Suche nach einer nicht ganz so verrückten Geschichte besser erst einmal den Engel anzusprechen. Ein Fehler, denn der Engel tötet ihn.

Otonashi ist aber tatsächlich tot und wacht wenig später einfach wieder auf. Der Angriff des Engels war überzeugend genug, dass Otonashi sich doch dem Waffenmädchen Yuri und ihrer Gruppe anschließt. Ihr Ziel: Das Schulgelände, auf dem sie leben, ist eine Totenwelt und soll jung verstorbenen Seelen dazu dienen, ein normales, jugendliches Leben zu erleben, bevor sie wiedergeboren werden. Yuris Freunde befürchten aber, als Seegurke – oder schlimmeres! – wiedergeboren zu werden und versuchen deswegen mit allen Mitteln, den friedlichen Schulalltag zu stören und damit ihre eigene Wiedergeburt zu verhindern.

Doch nach einigen lustigen Abenteuern muss Otonashi schnell feststellen, dass der Schein trügt. In dieser Schule sind nur Leute, die unerfüllt und früh gestorben sind – dementsprechend tragisch sind die Schicksale. Da ist das Mädchen, das die Musik als Flucht vor den ständig streitenden Eltern für sich entdeckt. Sie zieht jung aus und will mit der Musik erfolgreich werden, bis sie an einem Hirntumor erkrankt und stirbt. Da ist der Junge, dessen talentierter Zwillingsbruder bei einem Unfall verstarb. Seine Eltern zwangen ihn anschließend, die Rolle seines Bruders zu übernehmen – von seiner Arbeit bis zu seinem Namen. Und da ist Yuri, die Älteste von vier Geschwistern. Als die Eltern außer Haus sind, brechen zwei Männer in ihr Haus ein und bedrohen sie: Sie muss rechtzeitig alle Wertgegenstände ranschaffen, sonst sterben ihre Geschwister. Yuri beeilt sich, weiß aber gar nicht, was wertvoll sein könnte und was nicht. Alle drei Geschwister sterben. Gemeinsam mit dem Engel formuliert Otonashi nach dieser Erkenntnis ein neues Ziel: Er will seine Freunde erlösen. Doch Erlösung heißt Abschied, und dann ist da noch Otonashis eigene, dunkle Vergangenheit….

 

Nach den ersten Folgen könnte man Angel Beats! leicht für einen Comedy-Anime halten – tatsächlich machen sich die ersten Episoden einen Spaß daraus, Otonashi und seine neuen Freunde regelmäßig auf allerlei unterschiedliche Arten (gewisserweise) sterben zu lassen. Kombiniert mit irrwitzigen und ziemlich verrückten Plänen, das normale Schulleben zu stören (dazu gehört unter anderem die Tests des Engels zu fälschen, demonstrativ selber bei Tests durchzufallen, ein Konzert in der Cafeteria zu veranstalten etc.) deutet nichts darauf hin, dass die Serie eigentlich von einer ganz anderen Thematik getragen wird. Erst als Otonashi sich der Vergangenheit der anderen und der möglichen Erlösung bewusst wird, entwickelt Angel Beats! seine eigentliche Stärke: Hochgradig emotionale Geschichten und die Frage, wie man solche Vergangenheiten bearbeiten kann. Allzu viel philosophische Tiefe darf man hier zwar nicht erwarten, schon gar nicht, als Otonashi beginnt systematisch die verbleibenden Schüler „abzuarbeiten“. Nichtsdestotrotz bietet Otonashi gewissermaßen Therapie: Er hört zu, stellt die richtigen Fragen und hilft bei Bedarf das zu tun, was im Leben nicht getan werden konnte. So finden die Figuren nach und nach ihre eigene Erlösung: Die Musikerin lernt wieder ihren Sinn in der Musik zu finden. Der Bruder wird von den anderen als er selbst, nicht als sein Bruder, erkannt. Yuri gelingt es letzten Endes, ihre Gruppe zu retten. Da bleibt kein Auge trocken.

Unterm Strich leidet Angel Beats! am Ende unter einer kurzen Episodenanzahl. Die Vergangenheit manch Charaktere bleibt unerzählt und weil die scheinbar sichere Totenwelt-Schule gegen Ende der Serie auch noch von einem äußeren Feind bedroht wird, sind die Schüler, die zuvor strikt gegen die Wiedergeburt waren, plötzlich nicht mehr abgeneigt. Wem der Anime zu kurz kommt, der hat aber die Chance, das Universum von Angel Beats! noch in anderen Formen zu erleben. Neben zwei OVAs, von denen eine zusammen mit der Serie, die hier von Universum Anime vertrieben wird, auch in Deutschland erschienen ist, gibt es in Japan auch eine Light Novel und ein Computerspiel.

Trotz seiner gerade zum Ende hin schwächelnden Story kann niemand bestreiten, dass Angel Beats! hochgradig emotionale Geschichten erzählt, die durch die fantastischen Bilder von P.A. Works besonders hervorgehoben werden und die deutlich machen, wie unterschiedlich Erlösung und ein gutes Leben für jeden aussehen kann.

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