Assassination Classroom

Was wird deine Klinge sein?

Die Welt ist geschockt: Eine heftige Explosion zerstört weite Teile des Monds. Was die Welt aber nicht weiß: Der Täter ist ein gelbes Oktopus-ähnliches Wesen mit Tentakeln als Extremitäten, welches sich mit atemberaubender Geschwindigkeit bewegen kann. Dieses Wesen will in einem Jahr die Erde zerstören – und so lange als Lehrer der dümmsten Schulklasse arbeiten.  Der nicht ganz so freundliche Sachbearbeiter vom Verteidigungsministerium gibt der Klasse daraufhin die Aufgabe ihren neuen Lehrer binnen einen Jahres zu töten.

Damit beginnt der neue Schulalltag von Nagisa und seinen Freunden. Der Lehrplan ist kurios. Neben herkömmlichen Unterricht – den alle übrigens dringend brauchen – gibt es auch Ausbildungseinheiten um die Schüler zu Assassinen zu machen. Trotz aller Waffen, Tricks und Kniffe ist der neue Lehrer Koro-sensei (ein Wortspiel auf Sensei (Lehrer) und Korosenai (nicht zu töten)) einfach viel zu schnell und hat stattdessen einen Heidenspaß an den zahlreichen Attentatsversuchen seiner Schüler.

Wenn man von den Tentakeln mal absieht ist Koro-sensei aber tatsächlich ein ausgezeichneter Lehrer, der seine immense Geschwindigkeit dazu nutzt, jedem Schüler gleichzeitig individualisierten Unterricht zu geben. Neben Mathe und Geschichte glänzt Koro-sensei aber vor allem durch die Lektionen, die er seinen Schülern zum Aufwachsen gibt. So hilft er nach und nach jedem seiner Schützlinge Unsicherheiten zu überwinden, das eigene Talent zu entdecken und ihren Platz im Leben zu finden. Gelegenheiten dafür bieten sich reichlich: Begegnungen mit Profi-Assassinen, Baseballspiele und Matheprüfungen, Entführungen und zwischendurch diverse verschiedene Ansätze, Koro-sensei endlich umzubringen, lassen den Schulalltag alles andere als langweilig werden.

Auch die Konkurrenz mit der A-Klasse darf nicht fehlen. Nagisas Mittelschule ist eine Schule, die sich damit rühmt, die besten Schüler zu haben. Der Direktor dieser Schule – schnell als eigentlicher Bösewicht enttarnt – hat dabei eine recht simple, aber doch erstaunlich perfide Idee umgesetzt. Sein Unterricht baut darauf auf, dass die Schüler auf jemanden herabsehen können. Dazu wurde speziell die E-Klasse zusammengerufen, die die schlechtesten Schüler des Jahrgangs beinhaltet. Die anderen Schüler sollen so zum Lernen motiviert werden nicht ebenfalls in der E zu landen, gleichzeitig gibt ihnen die Klasse aber auch die Möglichkeit auf sie herabzusehen – die Genugtuung, nicht zu der diskriminierten E zu gehören, ist Belohnung für den Lernerfolg.

Diese einfache, aber doch effektive Diskriminierung scheint im Rahmen des Schulkontexts vollkommen überzogen, bietet aber doch einen interessanten Blick auf die Gesellschaft. In Japan herrscht – viel extremer als das in westlichen Ländern der Fall ist – ein strenges Schulsystem. Die reine Wissensvermittlung steht im Vordergrund. Und genau so spiegelt sich das in der A-Klasse wieder: Der typische japanische Unterricht in denen ein Lehrer vorne steht und redet, redet, redet, während alle Schüler fleißig mitschreiben wird hier als eine Art Gehirnwäsche dargestellt, wie Würmer, die sich um die Schüler wickeln und sie zu Höchstleistungen zwingen. Koro-senseis erheblich freierer Unterricht erscheint dagegen – trotz des etwas merkwürdigen Lehrers – wie ein Paradies. Paradoxerweise ist es also die diskriminierte E-Klasse, die gleichzeitig die Möglichkeit zur freien Entfaltung als auch auf echten Unterricht hat. Dementsprechend prallen in den Formen des Schuldirektors und Koro-senseis auch verschiedene pädagogische Ansätze aufeinander, die man durchaus als Kritik des japanischen Schulsystems verstehen kann. Daran schließt sich auch die derzeit aktuelle Diskussion um den sogenannten karoshi, den Tod durch Überarbeitung an. Nach jüngst mehreren Fällen bekannt gewordener karoshi [1] ist die Diskussion um die japanische Leistungsgesellschaft wieder entflammt: Je mehr und länger gearbeitet wird, desto besser, nur wer gute Noten hat kommt voran.

In einer irren Mischung aus Comedy, Action und Pädagogik entführt Assassination Classroom in einen Schulalltag, der gar nicht so alltäglich ist. Kein Wunder, dass Schüler der E ihren Lehrer am Ende gar nicht mehr töten möchten…

Die insgesamt 21 Bände umfassende Mangareihe von Yusei Matsui wird von Carlsen Manga publiziert, beide Staffeln des Anime wurden hier von peppermint anime herausgebracht und sind auch als Stream auf Akiba Pass verfügbar.

Peppermint Anime bietet auf seinem Youtube-Kanal auch zwei Trailer der Serie:

[1] Diskutiert beispielsweise in der FAZ – Japan streitet über den Tod durch Überarbeitung, von Patrick Welter, 24.10.2017 oder Karriere Spiegel – Behörden erkennen Überarbeitung als Grund für Suizid an, 11.10.2017

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