Aufbau von Anime

TV-Anime können die unterschiedlichsten Geschichten erzählen – aber sie teilen sich eine gemeinsame Struktur, die vor allem durch das Fernsehformat bedingt ist. Eine Anime-Episode besteht aus drei wesentlichen Elementen: dem Opening, dem Ending und dem eigentlichen narrativen Part.

Das Opening und Ending sind nondiegetische Musikparts, in denen die Credits gezeigt werden. Allgemein sind Openings dynamischer (sowohl im Bild als auch in der Musik), mit aufwendigen Animationen hinterlegt (tatsächlich findet man hier manchmal die aufwendigsten Bewegungen der gesamten Serie) und sollen damit Lust auf den Anime machen. Die meisten Openings sind selbständig, d.h. sie beinhalten Szenen die im Anime selbst nicht auftauchen. Endings sind in der Regel ruhiger, arbeiten oft mit Standbildern und lassen die Episode ausklingen.

Zwischen Opening und Ending befindet sich das Kernstück der Episode, der narrative Part. Im japanischen Original wird dieser Part meistens durch eine Werbepause in einen A- und einen B-Part untergliedert. Werbepausen gibt es bei deutschen Streams und DVD- oder Blu ray-Versionen selbstverständlich nicht, aber die narrative Struktur des Anime ist in seinem Spannungsaufbau häufig dieser Unterbrechung angepasst – die Werbung setzt natürlich immer dann ein, wenn es gerade besonders spannend ist. Die Werbepausen werden oft durch sogenannte Eyecatcher umklammert. Eyecatcher sind vergleichbar mit dem hierzulande bekannten commercial bumper, ein Signalton oder eine kurze Szene, die hier meistens die Fortsetzung des Programms markieren. Während commercial bumper allerdings Teil des jeweiligen Senders sind, gehören Eyecatcher stattdessen zum Anime selbst. Die Studios sind dabei extrem kreativ: Über einfache Standbildern hin zu kleinen Dialogen oder sogar Animationen gibt es verschiedenste Formen an Eyecatchern. Einige Serien verzichten auch komplett darauf.

Daneben ist es nicht ungewöhnlich bereits einige Szenen vor dem Opening und nach dem Ending zu zeigen. Auch hier gibt es jede Menge kreativen Spielraum. Einige Anime beginnen bereits vor dem Opening mit ihrem Plot und nutzen das Opening selbst mehr als eine Art Schnitt, nach welchem die Figuren das Setting gewechselt haben. Andere geben hier Zusammenfassungen der letzten Folgen. Ebenso können Szenen nach dem Ending sowohl Previews als auch reguläre Szenen beinhalten.

Anime untergliedern ihre Episoden in sogenannten Staffeln, die entweder 11 -13 oder 24-26 Episoden beinhalten. Die meisten Titel umfassen ein oder zwei Staffeln, erfolgreiche Serien schaffen drei. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Animeserien mit vielen hundert Episoden, wie zum Beispiel One Piece, Bleach oder Detektiv Conan – Titel, die auf einer entsprechend langen Manga-Reihe beruhen. Solch umfangreiche Anime gliedern sich nicht in Staffeln, sondern in sogenannte Arcs. Arcs sind einzelne Handlungsstänge innerhalb einer größeren Serie. Um ein Beispiel zu machen: Die Piratengruppe aus One Piece segelt von Insel zu Insel um einen berühmten Piratenschatz zu finden. Jede Insel bietet dabei ihre eigenen Gegner und Konflikte, in die die Gruppe sich einmischen muss, bevor sie wieder Segel setzen. Der Aarlong-Arc enthält dementsprechend alle Folgen, in denen die Freunde das erste Mal Fuß auf Namis Heimatinsel setzen, die vom dem fiesen Fischmenschen Aarlong tyrannisiert wird, bis hin zum finalen Triumph von Möchtergern-Piratenkönig Ruffy und seinen Freunden. Namis Insel wird befreit und Truppe zieht weiter – der nächste Arc beginnt. Extrem umfangreiche Serien wie One Piece fassen mehrere Arcs auch in sogenannten Sagas zusammen, der Aarlong-Arc ist ein Teil der East Blue-Saga, d.h. aller Abenteuer, die die Freunde im weiten Meer des East Blue erleben.

Neben dieser groben Struktur gibt es noch allerlei Feinheiten, die man beachten kann. Längere Staffeln mit 24-26 Folgen haben in der Regel mehrere Openings und Endings, um dem Fortlauf der Geschichte gerecht zu werden. Insbesondere Openings werden durchaus kreativ verwendet. Durarara! baut einen Rückblick auf die letzten Episoden direkt in das Opening selbst ein. Einige Anime verändern ihr Opening im Laufe der Serie in Kleinigkeiten, die sich den neuen Erkenntnissen der Story anpassen. Was sich nach einer grundlegend simplen Struktur anhört wird also durchaus als kreatives Element des Anime selbst verwendet.

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