Bakemonogatari

Ein Harem voller Geister

Eine Krabbengottheit, die das Gewicht eines Mädchens stiehlt. Eine Verstorbene, das sich auf dem Weg nach Hause immer wieder verläuft. Ein Mädchen, das im Austausch für Rache einen gewalttätigen Affenarm erhält. Eine Freundin, deren Körper durch einen missglückten Fluch zerquetscht wird. Eine Mitschülerin, die sich durch Stress in der Familie und Liebeskummer regelmäßig in eine wütende Katze verwandelt.

Seit Koyomi Araragi das Leben eines schwer verletzen Vampirs rettete und damit selbst zum Teil Vampir wurde, ist er vor allem eines: ein Magnet für allerlei mysteriöse, übernatürliche Wesen. Zum Glück kennt er den ebenso geheimnisvollen Oshino, eine wirre Mischung aus Exorzist und Priester, der sich mit der Geister- und Götterwelt bestens auskennt. Dieses Wissen hat Araragi dringend nötig, denn seine unbändige Hilfsbereitschaft bringt ihn ständig in die Klemme…

Bakemonogatari ist ein Teil der größeren, inzwischen 18 Bände umfassenden Monogatari-Light Novel von Autor Nisio Isin, in denen Protagonist Araragi und die Leute um ihn herum mit allerlei bizarren Geisterphänomenen konfrontiert werden. Mit dem durch peppermint anime lizensierten Bakemonogatari erscheint nun eine der Verfilmungen auch in Deutschland.

Bakemonogatari lässt sich am besten mit den Wörtern „bizarr“, „skurril“ und „anstrengend“ bezeichnen. Ein Teil davon entsteht ohne Frage durch die Geister- und Götterthematik, die für westliche Augen durchaus etwas merkwürdig sein kann: Götter, mit denen man verhandeln kann, Geister, die Wünsche erfüllen…die Geister in Bakemonogatari haben nur wenig mit dem westlichen, formlos-weißen Gespenst gemeinsam. Statt einfach nur Leute zu erschrecken haben diese Wesen ihre ganz eigene Logik, ihren eigenen Verstand, ihre eigenen Beweggründe.

So hat der scheinbar so grausame Krabbengott nicht einfach das Körpergewicht von Hitagi Senjougahara, Araragis exzentrischer Klassenkameradin, gestohlen. Das, was eigentlich gestohlen wurde, waren Senjougaharas erdrückende Gefühle gegenüber ihrer Mutter, die die Familie für eine Sekte verlassen und die beinahe-Vergewaltigung ihrer Tochter zugelassen hat. Der Verlust des Körpergewichts ist dabei nur ein Nebeneffekt. Nachdem Senjougahara das erkennt, sich beim Krabbengott bedankt und das Gewicht – sowohl das Körpergewicht als auch das Gewicht ihrer Erinnerungen – zurückerbittet, ist das Problem gelöst. Allerdings nicht ganz ohne Konsequenz: Götter sind eigenwillig und Senjougaharas Gewicht wird kurzerhand auch Araragi aufgebürdet. Neben der ohnehin okkulten Thematik kommen eine ganze Kette an abstruser, scheinbar völlig irrelevanter Dialoge hinzu, die trotz ihrer Belanglosigkeit einen dermaßen intensiven Schlagabtausch darstellen, dass so manche 20-Minuten-Folge tatsächlich kein einziges Mal den Schauplatz wechseln muss – aber trotzdem interessant ist.

Das für Bakemonogatari verantwortliche Animationsstudio SHAFT, das ohnehin durch einen eher sonderbaren Stil auf sich aufmerksam macht, zieht in der Serie diverse stilistische Registerkarten. Die schnelle Einblendung von Texttafeln, teils mit Zitaten aus der Light Novel, teils mit Wörtern, die zur Szene oder zum Dialog passen und teils mit Notizen als dem Animationsprozess. Diverse Jump-cuts, die die Figuren zwischen den Einstellungen ohne jegliche erkennbare Bewegung einfach die Position wechseln lassen. Die extremen Augen-Detaileinstellungen. Immer wieder Kanji und Text, der sich durch das Bild zieht. Die merkwürdigen Hintergründe, die man schon als typisch für SHAFT sehen kann, mit nur wenig Interesse an echter Realitätsnähe. Zwischenzeitlich wechselt Bakemonogatari auch den Animationsstil und baut beispielsweise Fotocollagen in seine Erzählung ein. Bakemonogatari ist damit sowohl inhaltlich als auch stilistisch eine Herausforderung und definitiv nichts zur Entspannung zwischendurch, aber ohne Frage eine interessante stilistische Erfahrung. Und wer dem verbalen Schlagabtausch folgen kann, der wird feststellen, dass Bakemonogatari nicht nur seinen ganz eigenen Sinn für Humor hat, sondern auch eine durchaus mehrere kleine, interessante Geschichten erzählt.

Glücklicherweise stellt peppermint anime auf seinenem Youtube-Kanal eine ganze Reihe an Ausschnitten zur Verfügung, die ein erstes Gefühl für die stilistische Funktionsweise der Serie geben. Neben der ersten Staffel Bakemonogatari wurden inzwischen weite Stücke der Novel-Reihe als Anime umgesetzt, die eine englische Wikipedia-Liste hier bestens zusammenfasst und über die man sich hoffentlich bald auch hier freuen kann.

 

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