Bakuman.

BakumanEin Manga über Manga

Der durchschnittliche Moritaka ist von seinen Zukunftsperspektiven gelangweilt. Da schlägt ihm ausgerechnet der Klassenbeste Akito vor Mangaka zu werden! Als Moritaka dann auch noch erfährt, dass sein Schwarm Miho  Synchronsprecherin werden will, steht sein Entschluss fest: Er und Aktio bilden ein Mangaka-Team – und wenn Miho die Hauptrolle in ihrem als Anime verfilmten Manga spricht, dann wollen Moritaka und Miho heiraten.

Dieses Setting bildet die Grundlage von Bakuman.  In 20 Bänden wird Moritakas und Aktios langer und steiniger Weg von absoluten Newcomern bis hin zu erfolgreichen Profi-Mangaka geschildert. Dabei erleben sie allerhand: das erste Treffen mit einem Redakteur, die erste Veröffentlichung, Erfolge und Scheitern, Streitigkeiten untereinander und mit dem betreuenden Redakteur, Konkurrenten, Zeitdruck, Missbrauch der Werke, Umfrageergebnisse und vieles mehr. Ganz nebenbei läuft Moritakas und Mihos unschuldige Liebe: Die beiden haben beschlossen, sich ganz auf ihre jeweiligen Träume zu konzentrieren und sich erst dann regelmäßig zu treffen, bis sich diese erfüllt haben – eine Form der Liebe, die bei anderen regelmäßig auf Verwunderung stößt.

Was Bakuman. so spannend macht, ist die Tatsache, dass die Serie einen tiefen Einblick in die japanische Manga-Produktion gibt. Westliche Comicautoren arbeiten größtenteils als eigenständige Künstler, die ihr fertiges Werk schließlich einem Verlag anbieten. Mangaka dagegen veröffentlichen ihre Serien zunächst in Manga-Magazinen. In Japan gibt es verschiedenste solcher Sammelband-Magazine, die in regelmäßigen Abständen (wie wöchentlich oder einmal pro Quartal) erscheinen und jeweils das neuste Kapitel verschiedenster Serien von unterschiedlichen Autoren beinhalten. Manga liegen zur Veröffentlichung also nicht vollständig vor, sondern werden nach und nach kapitelweise produziert. Der betreuende Redakteur ist dabei durchaus an der Weiterentwicklung der Serie mit beteiligt und kann entscheidenden Einfluss ausüben. Eine weitere Konsequenz dieses Veröffentlichungssystem ist es, dass die Verlage der Magazine Beliebtheitsumfragen durchführen – die Leser können also regelmäßig darüber abstimmen, welche Titel ihnen besonders gut gefallen. Serien, die lange die hinteren Plätze bei diesen Umfragen belegt haben, werden abgesetzt – in diesem Sinne handelt es sich um eine durch und durch kommerzielle Kunst. Deswegen ist sowohl Mangaka als auch Redakteur viel daran gelegen, die eigenen Titel populär zu halten. Daneben gibt es auch noch eine ganze Reihe anderer Elemente, auf die im Laufe der Narration eingegangen wird. Dazu gehören zum Beispiel Analysen, warum ein Manga nicht beliebt bei den Lesern war – weil er z.B. zu kompliziert war oder die Zeichnungen nicht zu der Narration passen. Die Veranstaltungen am Jahresende, zu denen Mangaka vom Verlag eingeladen werden. Tricks und Kniffe, durch die Manga sowohl stilistisch als auch narrativ interessant werden. Alles in allem wird Bakuman. dadurch zu einem Manga über Manga, einem Meta-Manga oder sogar zu einem Lehrbuch über Manga.

Zusätzlich beinhaltet der Manga eine ganze Fülle von Anspielungen an andere, bekannte Titel. Zum einen beginnen Moritaka und Akito ihre Manga beim Shonen Jump zu veröffentlichen, einem der bekanntesten Manga-Magazine in Japan (das Magazin hat sogar eine englischsprachige Hompage!). Da das Magazin auch die Wiege zahlreicher weiterer bekannter Titel ist, finden sich in den Szenen der Redaktion häufig Poster und andere Bilder zu Serien wie Naruto, Bleach oder One Piece – Dauerbrenner, die seit Jahren erfolgreich laufen und auch alle in Deutschland erhältlich sind. Auch innerhalb der Analysen zwischen Moritaka, Akito und ihren Redakteuren fallen immer wieder bekannte Titel zum Vergleich, was den Wahrheitsanspruch der präsentierten Informationen nur noch weiter verstärkt und neue, über das fiktionale Universum von Bakuman. hinausgehende Einsichten gibt.

Statt diese Fülle von Wissen rund um die Mangaproduktion einfach als schlichte Fakten zu präsentieren, arbeitet Bakuman. alle Informationen narrativ für Moritaka und Aktio ein. Trotz der immensen Informationsdichte erzählt die Serie vor allem eine Geschichte. Ihr Weg zu populären Mangaka ist gespickt mit Herausforderungen und Konkurrenten, die dasselbe Ziel haben. Passend zu dem Umfragesystem stehen die beiden permanent im ernsten, aber freundlichen Wettstreit mit weiteren Mangaka. Als Konkurrenten spornen sie sich gemeinsam gegenseitig regelmäßig zu Höchstleistungen an, stehen sich aber auch mit Rat und Tat zur Seite. In diesem Sinne ist Bakuman. auch ein typischer Shonen-Manga, in denen die Protagonisten häufig einen Rivalen – keinen Feind! – haben. Auf der anderen Seite ist es eben diese Konkurrenz, die die Freunde zu objektiven Vergleichen anregen und zu Diskussionen über verschiedene Titel und Techniken führen.

Bakuman. kann man grob in verschiedene Handlungsabschnitte teilen, in denen jeweils ein anderes Problem im Vordergrund steht. Dabei kann man auch durchaus zu unterschiedlichen Unterteilungen gelangen. Ganz allgemein kann man die Serie mit Hilfe der Manga einteilen, die Moritaka und Akito gerade veröffentlichen. In dem Tanto-Abschnitt hat insbesondere Aktio, der für die Entwicklung der Story zuständig ist, Probleme, weil ihm das Comedy-Genre einfach nicht liegt – der Redakteur aber unbedingt einen humorvollen Titel wollte. Das führt zu einem zunehmenden Konflikt zwischen Aktio, Moritaka und ihrem Redakteur. Ihr nachfolgender Manga, PCP, erzählt von einer Schülergruppe, die perfekte, aber prinzipiell harmlose Verbrechen verüben. Der Manga läuft gut – bis Nachahmungstäter auftauchen, wodurch es in den Medien zu einer Diskussion um den Titel kommt. Ihr erfolgreichster Titel, Reversi, wird tatsächlich als Anime verfilmt – der große Traum von Miho als Synchronsprecherin scheint zum Greifen nah. Doch dann kommt heraus, dass Miho und Moritaka ein Paar sind. Für die japanischen Otaku, die Synchronsprecher als eigene Stars sehen und diese entsprechend anhimmeln, ist das ein schwerer Schlag. In dem erneuten Aufschrei in den Medien sehen sich Miho und Moritaka diversen Anschuldigungen ausgesetzt.

Darüber hinaus kann man aber auch noch andere Handlungsstränge unterteilen: Während Moritaka und Akito PCP veröffentlichen, dreht sich die Story zwar teilweise um den Nachahmungstäter. Gleichzeitig kommt aber auch heraus, dass PCP wegen seines Inhalts nicht als Anime umgesetzt werden wird. Außerdem begegnen sie in dieser Zeit einem weiteren Mangaka, der mit einer besonderen Produktionsmethode versucht den Markt zu revolutionieren. Dementsprechend kann man die Story in verschiedene Plot-Arcs aufteilen, die sich mal mehr und mal weniger streng aufeinander beziehen. Sich mit einzelnen Abschnitten aus Bakuman. zu beschäftigen ist dementsprechend zwar möglich, Kenntnisse über die vorigen Ereignisse sind für ein besseres Verständnis aber hilfreich.

Daneben ist Bakuman. auch einer der textlastigsten Manga, die es bislang in Deutschland gibt. Mehrheitlich ist bekannt, dass Manga im Vergleich zu klassischen amerikanischen Superheldencomics weniger Text verwenden – das liegt unter anderem auch daran, weil die Geschichten gestreckter erzählt werden. Bakuman. benötigt für einen Manga allerdings ausgesprochen viel Text, wodurch es ungewohnt viel zu lesen gibt. Insgesamt fordert der Manga damit auch mehr Konzentration und ein wenig Ausdauer, um all den Sprechblasen die notwendige Zeit zu widmen.

Bakuman. ist in 20 Bänden bei Tokyopop erschienen, die auf ihrer Homepage auch eine Leseprobe anbieten. Außerdem wurde die Geschichte in drei Anime-Staffeln auch verfilmt, von denen es aber bisher keine nach Deutschland geschafft hat. 2015 erschien außerdem eine zweistündige Realverfilmung unter der Regie von Hitsohi Ōne, die bislang ebenfalls nur auf Japanisch erhältlich ist.

Insgesamt ein äußerst lehrreicher Titel, wenn man sich mit der Produktion und dem Vertriebssystem von Manga in Japan auseinandersetzen will. Wer Mangaka werden will, der sollte sich unbedingt mit Bakuman. auseinandersetzen.

 

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