Clover

Ich möchte dein Glück sein

Das Mangaka-Quartett CLAMP hat inzwischen zahlreiche Manga veröffentlicht. Selbst in den ersten Werken findet man das, was auch heute noch typisch für jeden CLAMP-Manga ist: Eine tiefgründige, oft durchaus philosophische Auseinandersetzung mit den menschlichen Gefühlen und Wünschen. Während die Thematik des Wunsches in den meisten CLAMP-Manga in eine herkömmliche Story eingearbeitet ist, unterscheidet sich Clover in diesem Ansatz grundlegend.

Clovers Narration gliedert sich in drei Teile. Der Hauptteil, der zwei Bände umfasst, erzählt die Geschichte von Kazuhiko, der von einer Hexenmeisterin den Auftrag erhält das merkwürdige Mädchen Sue an einen bestimmten Ort zu transportieren. Darüber hinaus enthält die eigentliche Handlung von Clover kaum Informationen. Kazuhikos Welt besteht aus einer merkwürdigen Mischung aus alter Magie und transplantierter Technik. Seine Vergangenheit beim Militär beschert ihm und Sue einige Hindernisse auf ihrem gemeinsamen Weg -doch nicht nur Kazuhiko wird penetrant von Widersachern verfolgt, auch Sue ist Zielscheibe. Schließlich offenbart sie sich: Sie ist das einzige vierblättrige Kleeblatt dieser Welt, ihre Magie so mächtig, dass nicht einmal die vereinten Kräfte der Hexenmeister sie in Schach halten könnten, sollte Sue sich auflehnen. Damit Sue keine Wünsche entwickelt und an niemanden ihr Herz verliert, wurde sie bis dahin einsam in einem Vogelkäfig gehalten. Durch ihre besonderen Fähigkeiten war sie aber in der Lage die Lieder der Barsängerin Oruha zu hören. Als ihr einziger Kontakt zur Außenwelt entwickelt sich bald eine enge Freundschaft zwischen Oruha und Sue. Beide schreiben zusammen ein Lied, „Ich möchte glücklich sein“. Nach Oruhas Ermordung durch einen Attentäter entwickelt Sue schließlich doch ihren ersten Wunsch: Sie möchte zu einem bestimmten Ort. Eine Hexenmeisterin gibt nach und beauftragt Kazuhiko. Beiden gelingt es schließlich Sue zu dem Vergnügungspark zu bringen, in dem eine riesige Elfenstatue das Lied von Oruha und Sue singt. Das Militär kommt hinzu und verwundet Kazuhiko schwer. Seine Freunden können ihn retten, doch Sue bleibt. Sie gesteht Kazuhiko ihre Gefühle und tötet sich anschließend selbst.  Genau das war von Anfang an ihr Wunsch.
In Band 3 wird die Vergangenheit zwischen Oruha und Sue vorgestellt, der vierte und letzte Band erzählt wie Kazuhikos Freunde Lan und Gingestu, beide selber Kleeblätter, zueinander finden. Clover wurde offiziell nie abgeschlossen, sondern hätte ursprünglich noch zwei weitere Bände umfassen sollen, die aber nie veröffentlicht wurden.

Die Story von Clover bleibt merkwürdig distanziert. Es gibt kaum Informationen zur Welt selbst, zahlreiche plötzliche Zeitsprünge und keinerlei Spannungsaufbau, Immersion unmöglich. Es geht weniger um die eigentliche Handlung als um die Reise und die damit einhergehenden Gespräche zwischen Kazuhiko und Sue. Auch stilistisch schlägt Clover fremde Wege ein. Manga werden in Panels gezeichnet, d.h. die Seiten werden in mehrere kleinere Bilder unterteilt. Panelform und –größe sind stilistische Merkmale, die durchaus von Mangaka und Story beeinflusst werden. Clover arbeitet auch mit Panels – setzt diese aber nur ganz punktuell. In der Konsequenz bleibt ein Großteil der Seite leer, mal schwarz, mal weiß, die Leere spricht ebenso wie die eigentlichen Bilder. Isolation steht im Vordergrund. Dazu kommt eine besondere Kapitelform. Einige Kapitel bestehen nur aus einer einzigen Seite, die meisten Kapitel umfassen nicht einmal 10 Seiten. Und über dem gesamten Geschehen liegen immer wieder Songtexte von Oruha, die mal vom Glück, mal von der Liebe singen.

Clover ist damit in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit. Auf der einen Seite hebt es sich durch seinen besonderen narrativen Stil und seine grafische Gestaltung von anderen CLAMP-Manga deutlich ab. Kein anderer Manga von ihnen ist dermaßen anti-narrativ, kein anderer hängt entscheidend von seiner Bildgestaltung ab. Auf der anderen Seite sind die Themen und Figuren aber dennoch typisch für das Quartett. Auch hier steht der für CLAMP allgegenwärtige Wunsch im Zentrum des Geschehens, wie u.a. auch bei Kobato. und xxxholic, viele Charaktere in Tsubasa haben sogar wie Sue den Wunsch, einen bestimmten Ort zu finden. Sue funktioniert in vielerlei Hinsicht ähnlich wie die Kobato, die Heldin aus Kobato., oder Chi, die Protagonistin aus Chobits. Alle drei zeigen eine gewisse Weltfremdheit und verlieben sich. Ihre Liebe ist die für CLAMP so typische Liebe: Man fühlt sie, indem man in sich hineinhorcht, sie ist leise, einfach da und kommt mit nichts anderem als dem Begehren, der geliebten Person nahe zu sein. Körperlichkeit wird dabei explizit gemieden. Die typischen Szenen eines Shojo-Mangas, in denen die erste Liebe immer das zentrale Thema ist, sind hier nicht zu sehen. Es ist diese Kombination aus typischen CLAMP-Elementen und doch so fremder Gestaltung, die Clover selbst in dem komplexen Werk der Vierergruppe eine besondere Rolle spielen lässt.

Clover ist in vier Bänden beim damaligen Carlsen Comics erschienen, inzwischen muss man die Bände aber über Zwischenhändler suchen. Eine Anime-Verfilmung hat es nie gegeben, aber Studio Madhouse produzierte 1999 ein Clover-Musikvideo.

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