Detektiv Conan

Großer Geist in kleinem Körper

Es gibt es ein kleines Jubiläum zu feiern: In Deutschland erscheint in diesem Monat der 90. (!) Band des Manga Detektiv Conan des Mangaka Gosho Aoyama.

Detektiv Conan ist bei weiten nicht die längste Manga-Reihe – wenn man die Anzahl der Tankobons zählt, also dem Format, in dem Manga auch hier erscheinen. Die absoluten Spitzenreiter stellen mehrheitlich Reihen, die bereits in den 70er/80er Jahren ihr erstes Kapitel veröffentlichen, aber bis heute nach wie vor fortgesetzt werden. Dazu zählen Titel wie Golgo 13, Hajime no Ippo oder auch Oishinbo. Die längste Reihe zählt stolze 200 Bände – wurde allerdings im Herbst 2016 beendet und wird sehr wahrscheinlich von anderen Titeln überholt werden. Eine englischsprachige Wikipedia-Seite bietet zum Glück eine regelmäßig aktualisierte Liste über die längsten Manga, sodass man trotzdem den Überblick behalten kann.

Mit seinen 90 Bänden (bzw. sogar schon 91, wenn man die japanischen Bände zählt) rangiert Detektiv Conan aber immerhin auf Platz 21 und ist damit eindeutig die längste Manga-Reihe, die in Deutschland erhältlich ist.

Trotz seiner immensen Länge arbeitet Detektiv Conan aber nach wie vor mit seiner anfänglichen Story-Idee. Die Geschichte beginnt damit, dass Shinichi Kudo, zwar noch Oberschüler aber bereits anerkannter Detektiv, kurz nach einem weiteren erfolgreich aufgeklärtem Fall in einem Freizeitpark überwältigt wird. Zwei in Schwarz gekleidete Männer flößen ihm eine Kapsel ein, die seinen Körper schrumpfen lässt. Als Shinichi wieder aufwacht sieht er nicht mehr wie 17, sondern wie 7 aus.
Weil er befürchtet, dass die Organisation ihn eigentlich umbringen und nicht schrumpfen wollte, nennt Shinichi sich fortan Conan und nistet sich bei seiner Jugendfreundin und heimlicher Liebe Ran und ihrem Vater, seines Zeichens absolut erfolgloser Detektiv, ein. Einer der wenigen, der um Conans wahre Identität weiß, ist der alte Familienfreund Professor Agasa, der einen ausgeprägten Erfindergeist besitzt und allerlei nützliche Kleinigkeiten für Conan erfindet. Der wichtigste Gegenstand ist dabei ohne jede Frage ein Stimmverzerrer, der geschickt als Fliege getarnt ist, sodass er problemlos als Kleidungsstück durchgeht. Und weil Conan auf Schritt und Tritt von allerlei Verbrechen – in den meisten Fällen Mord – verfolgt wird, kommen seine kleinen Hilfsmittel permanent zum Einsatz. Weil er als Kind von den Erwachsenen nicht ernst genommen wird und Rans Vater Kogoro als Detektiv leider absolut unfähig ist, benutzt Conan heimlich ein kleines Betäubungsmittel, um Kogoro schlafen zu schicken, ihn nett auf einen Stuhl zu drapieren und dann mittels des Stimmverzerrers als Kogoro die Lösung des Falls zu präsentieren. Der absolut ahnungslose Kogoro erntet so nach und nach unerwarteten (und unverdienten) Ruhm als „schlafender Kogoro“ – weil er sich beim Aufklären des Falls ja immer schlafend stellt….
In den inzwischen bald 1000 Kapiteln sind natürlich auch noch diverse andere Figuren zum Opfer des Stimmverzerrers geworden. Gleichzeitig ist Conan auch permanent auf der Suche nach den „Männern in Schwarz“, die sich nach und nach als Mitglied einer Geheimorganisation entpuppen, an der auch das FBI bereits dran ist. Dazu kommen zahlreiche weitere Figuren: ein Mädchen, das ursprünglich für die Organisation arbeitete aber Opfer des selben Mittels wie Conan wurde, eine Gruppe Grundschüler, mit denen Conan kurzerhand eine Art Detektivclub betreibt, ein weiteres Jungdetektiv-Genie, der ebenfalls von Conans wahrer Identität weiß, und und und…

Es gibt mit der schwarzen Organisation und bekannten Figuren, die regelmäßig wieder auftreten, durchaus einen roten Faden, der alles zusammenhält. Der Kern von Detektiv Conan sind aber ohne Frage die zahllosen Kriminalfälle, über die Conan immer wieder stolpert. Detektiv Conan ist nicht der einzige Detektiv-Manga, aber er ist ohne Frage der bekannteste. Mangaka Aoyama erfindet dabei nicht nur eine Vielzahl an Fällen, sondern zahlreiche verblüffende Lösungen. Viele Täter bedienen sich simpler, aber beeindruckender Tricks: Mord in verschlossenen Räumen, Mord über einen angespitzten BH-Bügel, ….Gelegentlich verwendet Aoyama für seine Täter-Ticks auch das japanische Alphabet, das aus einer Reihe von Schriftzeichen und Silbenzeichen besteht. Wenn man nicht gerade fließend in Japanisch ist, dann kann man diese Tricks leider nur schwer nachvollziehen – glücklicherweise regelt Verlag EMA diese Problematik mit erklärenden Fußnoten.

Das Angebot von Detektiv Conan erstreckt sich aber längst über den reinen Manga hinaus. So gibt es zusätzlich auch noch Detektiv Conan Short Stories, die gesammelte Fälle beinhalten, die hauptsächlich von Aoyamas Assistenten gezeichnet wurden. Diese Reihe wurde in Deutschland von EMA publiziert, ist aber inzwischen beim Verlag nicht mehr erhältlich. Daneben gibt es auch eine ganze Fülle an Sonderbänden, die sich ganz speziellen Fällen widmen – wer also nur an Verbrechen interessiert ist, in denen es um die Schwarze Organisation geht, kann diese gebündelt lesen. Zusätzlich gibt es natürlich auch einen Anime, der neben seinen über 840 Episoden auch mehrere TV-Specials beinhaltet. Darüber hinaus wird jährlich ein Detektiv Conan-Kinofilm produziert – dieses Jahr wird der 21. Film erscheinen. Zu diesen Filmen gibt es wiederum die sogenannten Anime-Comics, die in den Film in farbiger Comicfassung erzählen – EMA hat eine ganze Reihe dieser Bände hier publiziert. In Japan gibt es sogar eine Realverfilmung. In Deutschland ist der Anime rund um Detektiv Conan – sowohl die TV-Specials als auch die Filme und die Serie, die dieses Jahr neu aufgelegt wird – bei Kazé Anime erhältlich.Daneben zeichnet Aoyama in sehr unregelmäßigen Abständen auch an einer zweiten Manga-Reihe, Kaito Kid. Kaito Kid erzählt die Geschichte des Jungen Kaito, der nach dem Tod seines Vaters feststellen muss, dass dieser nicht nur ein berühmter japanischer Magier, sondern ein Meisterdieb war. Als Kaito herausfindet dass der Tod seines Vaters von einer Geheimorganisation verschuldet wurde, schlüpft er in die Diebesrolle seines Vaters, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Die Reihe wurde inzwischen auch in zwei Anime-Staffeln umgesetzt, Magic Kaito und Magic Kaito 1412. Die erste Staffel ist bereits bei Kazé Anime erhältlich, Staffel 2 wird im Laufe dieses Jahres erscheinen. Der Kaito Kid-Manga ist in Deutschland von EMA publiziert wurden. Kaito Kid ist kein Fremder, denn der Meisterdieb taucht auch regelmäßig in der Welt von Detektiv Conan auf und stellt sogar für den Meisterdetektiv eine harte Nuss dar.

Und obwohl Conan bereits seit 1994 auf der Suche nach der Schwarzen Organisation ist konnte er sie bis heute immer noch nicht schnappen und seine ursprüngliche Gestalt zurückerlangen. Ein Ende von Detektiv Conan ist damit nach all den Jahren immer noch nicht absehbar. Ein Trost gibt es allerdings: immerhin hat Conan jeden anderen Fall bis dato gelöst.

 

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