Dragon Ball

Kleiner Affenjunge ganz groß

Manga und Anime bieten etwas für jeden Geschmack: Horror und Romanze, Action und Krimi, Drama…für jeden ist etwas dabei. Inzwischen ist selbst das deutschsprachige Angebot dermaßen umfangreich, dass es kaum noch möglich ist alles zu kennen – und das obwohl hierzulande nach wie vor nur ein Bruchteil der in Japan erscheinenden Werke veröffentlicht wird. Es gibt aber nichtsdestotrotz einige Titel von denen jeder ausnahmslos gehört hat. Dazu gehören vor allem jene Werke, die man grob als die großen „Shonen-Klassiker“ bezeichnen kann – die meisten dieser Arbeiten sind Shonen-Manga (d.h. Manga für Jungs) und erschienen in einer entsprechenden Zeitschrift wie bspw. dem Shonen Jump. Dazu gehören unter anderem das hier bereits diskutierte One Piece und Detektiv Conan.

Ein weiterer diesen großen Erfolgshits ist Dragon Ball. Obwohl der Dragon Ball-Manga bereits seit 1995 mit insgesamt 42 Bänden abgeschlossen ist, steht die Reihe nach wie vor auf Platz 3 der Liste der meistverkauften Manga aller Zeiten – und damit trotz allem nach wie vor auch vor erheblich längeren Serien wie das erwähnte Detektiv Conan oder Naruto.

Die Handlung von Dragon Ball umfasst die Abenteuer von Son-Goku und seinen Freunden, die auf ihrer mehrmaligen Suche nach den Dragon Balls immer wieder neue Kämpfe zu bestehen haben. Die Dragon Balls sind 7 mysteriöse Steine, die – wenn alle zusammengebracht werden – einen mächtigen Drachen beschwören, der Wünsche erfüllt. Kein Wunder also, dass allerlei Leute auf der Suche danach sind…zum Glück ist Son-Goku, der alleine in der Wildnis aufgewachsen ist, unglaublich stark und weiß sich zu verteidigen (allerdings ist er wegen fehlender Sozialisation auch manchmal etwas merkwürdig).
Die gesamte Handlung von Dragon Ball zusammenzufassen ist hier schlicht zu aufwendig. Wie jeden längeren Manga kann man die Story gut in mehrere thematische Abschnitte untergliedern. Die Suche nach den Dragon Balls stellt zunächst einmal nur die Einführung in die Geschichte dar, bevor Son-Goku an seinem ersten großen Kampfsportturnier teilnimmt. Es stehen auch weitere Kämpfe an: gegen den Oberteufel Piccolo, gegen die Saiyajins (merkwürdige Außerirdische), gegen Cyborgs und ihren Anführer Cell, gegen den Dämon Boo…Jeder dieser großen Kämpfe ist mit seinen ganz eigenen Figuren, Zielen, Problemen und Enthüllungen verknüpft: So erfährt Son-Goku erst im Saiyajin-Arc, dass er eigentlich selbst kein Erdenbewohner, sondern ebenfalls Saiyajin ist und geschickt wurde, die Menschen zu vernichten – was er dummerweise bei seiner Ankunft vergessen hat.

Dabei geht einiges an Zeit ins Land, sodass Son-Goku zwischendurch erwachsen wird, heiratet, Kinder bekommt und mehrmals (!) stirbt. Hinzu kommen allerlei Freunde und Gegner (und genügend Leute, die immer mal wieder die Seiten wechseln). Alles in allem ist die Serie damit viel zu umfangreich um alles Aspekte vorzustellen. Wer sich dennoch intensiver damit auseinandersetzen möchte, der kann sich durch die von Fans angelegten Wikis wie das deutschsprachige Gokupedia oder das englische Dragon Ball Wiki blättern.
Dragon Ball als klassischer Shonen-Manga basiert wie all die anderen großen Shonen-Titel wie One Piece, Naruto oder Bleach und das jüngere Beispiel Fairy Tail vor allem auf Kämpfen. Die Helden sind in der Regel mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und begegnen auf ihrem Abenteuer immer stärkeren Gegnern, was wiederum dazu führt dass sie auch selber stärker werden und ihre Fähigkeiten erweitern müssen. Die eine oder andere Niederlage ist dafür essentiell. Darüber hinaus haben diese Titel alle einen reinen Protagonisten – ziemlich stark, oftmals ein bisschen dumm und naiv, aber dennoch mit dem Herz am richtigen Fleck. Dragon Ball stellt da keine Ausnahme.
Darüber hinaus besticht Dragon Ball vor allem durch Akira Toriyamas auffälligen Zeichenstil, den man inzwischen auch in der Spielereihe Dragon Quest finden kann. Besonders in dem für Manga eher schlichten Augendesign ist sein Stil leicht wiederzuerkennen. Der ein oder andere wird vielleicht auch über Toriyamas merkwürdigen Humor stolpern, der durchaus auch mal unter die Gürtellinie greift und Witze mit „Häufchen“ macht.

Seinen anhaltenden Erfolg verdankt Dragon Ball der Tatsache, dass der Titel auch nach Beendigung des Mangas nie wirklich zur Ruhe kam. Neben der ersten Anime-Serie mit stolzen 153 Episoden, die alle Abenteuer bis zum Abschluss der Piccolo-Saga umfasst, startete gleich im Anschluss der Nachfolger Dragon Ball Z mit ganzen 291 Episoden um den Rest des Mangas mit Son-Goku als Erwachsenem zu erzählen. Dragon Ball Z lief hierzulande ab 2001 auf dem Kanal RTL II und konnte damals ein riesiges Publikum begeistern. Ebenfalls direkt danach erschien Dragon Ball GT mit gerade Mal 64 Folgen. GT geht über den ursprünglichen Manga hinaus und erzählt ganz neue Geschichten, bei denen Mangaka Akira Toriyama nur noch als Berater fungierte.  Zur Feier des 20. Geburtstags wurde Dragon Ball Z in Dragon Ball Kai (teilweise auch Dragon Ball Z Kai) neu aufgelegt. Seit 2015 läuft nun Dragon Ball Super sowohl als Manga als auch als Anime und schließt die vorige Plotlücke direkt nach dem Kampf gegen Boo am Ende von Dragon Ball Z. Mit Kai und Super lebt der Anime um Dragon Ball – und damit das Franchise insgesamt – derzeit gerade wieder auf. Zusätzlich dazu erschienen nahezu jährlich neue Videospiele rund um die Serie (von denen gerade die jüngeren auch den Sprung in den Westen geschafft haben), sodass Dragon Ball damit also seit den 90ern und in Deutschland seit der Jahrtausendwende eine stetige, wenn zeitweise auch leise, Dauerpräsenz hatte. Über all die Anime-Serien, den Manga und die Spiele hinaus gibt es auch noch Kinofilme, Realverfilmungen und OVAs, Sammelkarten, Figuren und sonst jede Art von Merchandising, die man sich vorstellen kann.

In Deutschland kann Dragon Ball auf Clipfish ansehen, Dragon Ball Z Kai wird derzeit von ProSieben Maxx angeboten. Ansonsten wird das gesamte Animeaufgebot von Dragon Ball bei Kazé Anime angeboten: Dragon Ball, Dragon Ball Z, Dragon Ball GT, Dragon Ball Z Kai sowie die Filme. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Dragon Ball Super verfügbar sein wird. Der Manga ist bei Carlsen erhältlich.

Obwohl Dragon Ball mit seinem klassischen Shonen-Formular und ohne wirklich nennenswerte tiefgründige Themen nicht jedermanns Liebling ist, so lässt sich dennoch nicht darüber streiten, dass der immense und nach wie vor anhaltende Erfolg eine beeindruckende Leistung ist. Kleiner fun fact: Dragon Ball Z lief in Deutschland erstmals zu einer Zeit im Fernsehen, in denen die Introsongs noch einen deutschen Text erhielten. Das deutsche Intro von Dragon Ball Z – Chala Head Chala – hört man auch heute noch auf Conventions.

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.