Food Wars! Shokugeki no Soma

Es ist angerichtet!

Das Rezept eines klassischen Shonen-Mangas ist seit jeher unverändert: Der Protagonist – in der Regel ein etwas verplanter, aber herzensguter Kerl – muss sich einer Reihe von Kämpfen stellen, um endlich der Beste zu werden. Dazu kommen eine ganze Reihe an übermächtigen Feinden, freundschaftlichen Rivalen, Freunden und interessierten Mädchen. Es gibt mindestens eine herbe Niederlage und eine permanente Weiterentwicklung der Kampffähigkeiten.

Trotz dieses immergleichen Grundprinzips sind die bekanntesten und erfolgreichsten Manga nach wie vor Shonen-Titel, darunter beispielsweise Klassiker wie Dragon Ball, One Piece oder Bleach. Auch Food Wars! ist ein typischer Shonen-Manga – mit einer Ausnahme: Anstellte der physischen Kämpfe mit Schwertern, Fäusten oder Magie verlegt Food Wars! seine Kämpfe in die Küche.

Soma ist ein begnadeter Koch und will später das kleine Diner seines Vaters übernehmen. Der jedoch schickt seinen Sohn ohne großes Nachfragen an die Totsuki-Akademie, eine aufs Kochen spezialisierte Eliteschule. Doch das Leben an der Totsuki ist weder simpler Kochkurs noch ein Zuckerschlecken: Während die meisten bereits an der Eintrittsprüfung scheitern, sieht sich die aufgenommene Schülerschaft mit immer schwierigeren Koch-Herausforderungen konfrontiert – von den Lehrern, von der Verwaltung, von den Mitschülern. Das Scheitern bedeutet ausnahmslos einen Schulverweis, denn Totsukis Prinzip basiert auf einer strikten Aussiebung.
Was sich für manch anderen als Höllenschule darstellen mag, ist für Soma gerade die richtige Herausforderung.  Kein Wunder, denn ein Großteil seines Alltags besteht weniger aus den regulären theoretischen Unterrichtseinheiten der Schule, sondern aus praktischem Kochen. Obwohl die Totsuki ihre berühmten Kochduelle, die Shokugeki, in verschiedensten Rahmen hält, funktionieren sie im Kern immer gleich. Die Kontrahenten bekommen ein Thema vorgegeben, zu dem beide ein passendes Gericht kochen müssen. Nach einer bestimmten Vorbereitungszeit, in der Rezepte getestet werden dürfen, müssen die Gerichte vor Publikum zubereitet und anschließend von einer Jury bewertet werden.  Und wäre nicht all die Konkurrenz schon Ärger genug, ist da auch noch die schöne Erina mit unvergleichlichem Geschmackssinn, die Somas Essen einfach nicht loben will…

Wie jeder gute, lange Shonen-Titel setzt sich auch Food Wars! aus verschiedenen Arcs zusammen, die ihre jeweils eigenen Subgeschichten, Ziele und Probleme haben. Da ist das Schulungscamp, in denen sich die Schüler den Aufgaben bisheriger Totsuki-Alumni stellen müssen, die Herbstauslese, in denen Akira mit seinem übermenschlichen Geruchssinn und Ryos Arbeit mit dem Fisch für Soma zu gefährlichen Konkurrenten werden. Gleichzeitig agiert im Hintergrund immer die Elite 10, die zehn besten Schüler, die die Geschicke der Totsuki manipulieren – bis sie gestürzt werden. Zusätzlich dazu kommen die Familienprobleme der scheinbar unnahbaren aber in Wirklichkeit streng manipulierten Erina, das Mysterium um Somas Vater, und und und. Im Vordergrund steht aber immer das Kochen.

Denn obwohl letzten Endes alle Schüler Konkurrenten sind, sind sie auch alle echte Kochexperten und können Geschick und Fähigkeiten eines Kochs ebenso ehrlich anerkennen wie den Geschmack eines Gerichts. Hier liegt der eigentliche Kern von Food Wars!: Während andere Shonen-Manga nur auf verschiedene Kampftechniken zurückgreifen können, fährt Food Wars! ein ganzes Arsenal an echtem Kochwissen auf. Von der Zubereitung spezieller Gerichte über die Auswahl der Zutaten bis hin zur Geschmacksveränderung durch das Einwirken spezieller Enzyme – Food Wars! ist weder Kochbuch noch Lexikon, enthält aber ohne Frage interessantes Expertenwissen – denn die Gerichte sind allesamt echte Gourmet-Menüs. Diese sind der Mitarbeit von Yuki Morisaki zu verdanken, die gleichermaßen Chef wie Model ist und passend dazu in Japan bereits ein erstes Food-Wars!-Kochbuch veröffentlicht hat. Die deutsche Manga-Ausgabe bietet passend dazu die verschiedenen Rezepte, die die Figuren im Laufe ihrer Abenteuer kochen, auch als Rezept an.

Ebenfalls bemerkenswert ist die spezielle Umsetzung im Manga. Die meisten Shonen-Manga finden ihren zentralen Schwerpunkt in eben diesen Kämpfen. Der eigentliche Wettkampf findet in Food Wars! aber nicht in der Küche selber statt, sondern in dem Moment, wenn die Richter über die antretenden Speisen urteilen. Dementsprechend legt die Narration den Fokus mehr auf die Vorbereitung der Wettkämpfe und die Urteile der Richter als auf den eigentlichen Kochprozess. Dabei greift gleich eine zweite stilistische Besonderheit. Im Mittelpunkt der Kochduelle steht der Geschmack des Gerichts – nur ist Geschmack etwas, was sich nach wie vor mit den bekannten audiovisuellen Medien nur schwer vermitteln lässt. Um dennoch einen intensiven Eindruck vom Geschmack zu vermitteln verwendet die Serie einen besonderen visuellen Handgriff: Wenn ein Gericht besonders gut schmeckt, dann erscheinen die Figuren nackt in einem Sinnbild, welches die zugrundeliegende Emotion darstellt. Ein Tauchgang als Meerjungfrau oder eine heiße Nacht als arabische Prinzessin sind dabei ebenso möglich wie Opern singende Enten oder eine Herde vorbeiziehender Nilpferde. Damit erlangt Food Wars! zusätzlich noch eine bizarre Mischung aus Humor und Erotik – alles im Dienste des Kochens.

Food Wars! als eine Möglichkeit zu sehen um Kochen zu lernen wäre definitiv zu hoch gegriffen. Das ändert aber nichts daran, dass der Titel es auf beeindruckende Weise schafft, den zunächst scheinbar wenig beeindruckenden Beruf des Kochs zu einem kreativen und dennoch typischen Shonen-Titel werden zu lassen, der mit vielen typischen Anime-Handgriffen ganz nebenbei Expertenwissens ums Kochen vermittelt.

Food Wars! erscheint hierzulande bei Carlsen Manga. Darüber hinaus wurde der Titel auch in bislang drei Anime-Staffeln umgesetzt- hierzulande sind die ersten zwei als Stream bei Anime on Demand und als DVD bei Kazé Anime erhältlich, die folgenden Trailer zur Verfügung stellen:

 

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