Keine Cheats für die Liebe

Otaku in Love (?)

Narumi ist eine typische Office Lady mit Schreibtischjob. Narumi ist Otaku. Narumi wurde von ihrem Freund verlassen – weil sie Otaku ist. Während sie sich bei ihrem Kindheitsfreund Hirotaka über diese Ungerechtigkeit beschwert, bietet der kurzerhand an, ihr neuer Freund zu werden. Trifft sich gut, denn Hirotaka ist auch Otaku. Und damit beginnt sie, die „Romanze“ zwischen zwei Otaku…

Keine Cheats für die Liebe gehört zu einer relativ jungen Gruppe an Manga, die Manga, Anime und deren Fans zum Thema machen , wie beispielsweise auch Küss ihn, nicht mich! oder The World God Only Knows. Otaku gelten als uncool, Anime und Manga sind ein Hobby, das man besser vor Bekannten geheim hält, insbesondere, wenn man die Highschool eigentlich schon abgeschlossen hat – und so steht Narumi vor der Problematik, einerseits erwachsen zu sein, normal, wie die anderen, aber trotzdem gleichzeitig ihrem Hobby weiter nachzugehen zu wollen.

Narumi ist aber nicht der einzige Otaku der Gruppe. Ihr neuer Freund Hirotaka ist bekennender Gamer und würde am liebsten den ganzen Tag zocken. Kollegin Hanako mag auch Manga und Anime und teilt Narumis Leidenschaft für BL, ist aber vor allem begnadete Cosplayerin. Ihr eigener Freund Kabakura dagegen ist ein stiller Genießer von Manga und Anime. Eine klare Dynamik: zwei Pärchen, bestehend aus Gegensätzen, in sich gespiegelt. Hirotaka mag große Brüste und hat jede Menge passender Figuren, seine neue Freundin Narumi hat aber leider überhaupt keine Oberweite. Hanako dagegen hat dagegen eine sehr beeindruckende Körbchengröße, deren Freund Kabakura mag aber die unschuldige Mädchenhaftigkeit, die Narumi ausstrahlt. Die Mädchen mögen Cosplay und BL, die Jungs nicht. Und das ist nur eins von vielen vorprogrammierten Problemen…

Und so bewegen sich die vier irgendwo in der Konfrontation mit der Normalo-Welt und ihren ahnungslosen Nicht-Otaku, dem alltäglichen Treiben der Otaku-Welt mit Besuchen auf Conventions und Merchandising-Läden und ihrem Liebesleben. Es ist dieses Liebesleben, was Keine Cheats für die Liebe anders macht als andere Manga, die sich mit dem Otaku befassen. Die Konfrontationen zwischen dem Otaku und der „normalen“ Welt beschreiben sie alle. Auch Romantik ist in den meisten Fällen enthalten – aber meint damit in aller Regel die Romanze zwischen dem Otaku und einem Normalo und den daraus resultierenden Problemen. Die Protagonisten aus Keine Cheats für die Liebe sind aber alle Otaku – alle ein bisschen anders, aber alle Otaku. Und weil es ansonsten so wenig bekennende Otaku in der Erwachsenenwelt gibt, sind sie vor allem über ihr gemeinsames Hobby verbunden, wodurch sie ihr Liebesleben manchmal schlicht vergessen. Es gibt keine typischen Shojo-Manga Momente zwischen Narumi und Hirotaka. Hirotaka wird Narumis Freund, weil er anbietet auf der nächsten Convention zu helfen. Als Date gehen sie gemeinsam in den Merchandising-Laden oder zocken ein paar Games. Als sie versuchen, bewusst einen Tag auf alles Otaku-mäßige zu verzichten, scheitern sie grandios. Tatsächlich, so könnte man sagen, sie Narumi und Hirotaka praktisch nur dem Namen nach ein Paar. Und so balancieren sie in einer Reihe von Kurzgeschichten irgendwo zwischen dem stereotypen Bild eines Pärchens, der Otaku-Welt und versuchen dabei ihren eigenen Weg zu finden, ebenfalls irgendwo zwischen echter Romantik und dem gemeinsamen Fan-Sein.

Tatsächlich wird man Keine Cheats für die Liebe aber wohl kaum wegen seiner Liebesgeschichte lesen, sondern vor allem für seinen Humor. Der Titel ist ein Festmahl für jeden Otaku – kaum eine Seite vergeht, in der es nicht eine Anspielung auf einen Manga, Anime oder ein bekanntes Game gibt. Referenziert werden vor allem echte Klassiker, die längst veraltet sind und die vor allem Hardcorefans kennen – gut, dass der deutsche Publisher Altraverese, die auf ihrer Website auch eine Leseprobe bieten, entsprechende Erklärungen und Hinweise mitliefert. Im Anime dagegen, den man derzeit auf Amazon streamen kann, muss man ohne diese Erklärungen auskommen.

Tiefgründige Themen darf man hier nicht erwarten, aber Keine Cheats für die Liebe ist ein wunderbares Beispiel für Manga, der sich mit seinen eigenen Fans befasst und diese auf die Schippe nimmt. Dabei werden die verschiedensten Themen rund ums Fan-Sein angesprochen, was den Titel vor allem aus einer Meta-Perspektive spannend macht.

 

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