Kobato.

Wie kann man Menschen glücklich machen?

Kobato hat einen Wunsch. Aber damit der erfüllt wird muss sie zunächst anderen Menschen helfen. Kobato ist allerbester Vorsätze – dumm nur, dass sie so gar keine Ahnung von der Menschenwelt hat. Kein Wunder also, dass sie zunächst also alles andere als erfolgreich ist, was ihren Begleiter, den sprechenden Plüschhund Ioryogi, regelmäßig in den Wahnsinn treibt.
Durch reinen Zufall entdeckt sie den Yomogi-Kinderhort, der ebenfalls in der Patsche sitzt: Geldeintreiber sitzen der Leiterin Sayaka im Nacken, der Hort droht schließen zu müssen. Selbst Fujimotos Bemühungen, sein Studium zu pausieren um dem Hort mit seinem Gehalt aus einer ganzen Kette von Aushilfsjobs zu unterstützen, sind zwecklos. Voll Tatendrang entschließt sich Kobato ebenfalls im Hort zu arbeiten. Obwohl Fujimoto ganz darauf konzentriert ist seiner Kindheitsliebe Sayaka zu helfen, verliebt Kobato sich nach und nach in ihn – und ihr Wunsch ändert sich…

Obwohl Kobato. in vielerlei Hinsicht einer der leichteren CLAMP-Titel ist – mit viel Humor, einer schusseligen Heldin und hellen Bildern, die nur ganz punktuell auf Schwarz zurückgreifen – so beinhaltet er trotzdem die für Clamp so typischen Ideen und Themen.

Wie jeder der jüngeren Manga aus der Feder des bekannten Quartetts finden sich auch in Kobato. verschiedene, teils minimale Anspielungen auf andere CLAMP-Titel: Kobatos Hausvermieterin und ihre beiden Töchter spielen eine entscheidende Rolle in Chobits, die freundliche Nachbarschaftswahrsagerin taucht ebenfalls in xxxholic auf und sogar Wishs Protagonistin Kohaku feiert eine Rückkehr (und mit ihr übrigens auch die Himmelshäschen, die Nachrichten von Gott übermitteln).

Während diese bekannten, hier neu in Szene gesetzten Figuren für Fans zwar eine nette Anekdote darstellen, so ist es vor allem die Geschichte, die Kobato. zu einem typischen Clamp-Manga macht. Allen voran steht der Wunsch. Wünsche sind ein zentrales Element in zahlreichen CLAMP-Manga: Neben dem sehr offensichtlichen Beispiel Wish sind sie ebenfalls entscheidendes Element in den verknüpften Manga Tsubasa und xxxholic. Andere Beispiele berufen sich weniger explizit auf den Wunsch, nichtsdestotrotz spielt er eine Rolle. Diese Wünsche sind aber nicht die altbekannten Wünsche nach Reichtum, Macht oder Schönheit. Stattdessen geht es mehr um das, was man wirklich will, den Herzenswunsch sozusagen: Kobato möchte unbedingt an einen bestimmten Ort. Kohaku aus Wish wünscht sich in ihrem Manga, bei jemandem zu bleiben. Und die Helden aus Tsubasa haben eine ganze Reihe ungewöhnlicher, wechselnder Wünsche, um ihre Abenteuer zu bewältigen. Markant für CLAMP ist aber auch, dass jeder dieser Wünsche einen Preis hat. Für dieses Prinzip steht Hexe Yuuko aus xxxholic, die im Gegenzug für das Erfüllen von Wünschen stets etwas anderes verlangt. Es muss allerdings nicht unbedingt ein echter Gegenwert sein. Der Preis eines Wunsches kann es auch sein Leute zu verärgern, Dinge abzutreten, zu verschwinden. Kurzum: Für jeden Wunsch muss auch etwas aufgegeben werden. Deswegen sind CLAMPs Wünsche keine inhärent magisch-guten Dinge, die wie von einer guten Fee mithilfe von Magie ohne Weiteres erfüllt werden. Diese Wünsche haben immer Konsequenzen – genau das ist es, was sie so vielschichtig macht. Die Charaktere wissen um diese Konsequenzen und müssen zu ihnen stehen.

Ein weiteres für CLAMP sehr typisches Thema ist die unmögliche Liebe. Kobato. scheint auf den ersten Blick hier wie ein normaler Shojo-Manga zu funktionieren, der die erste Liebe zwischen der Heldin und ihrem Schwarm thematisiert; dass der Schwarm zunächst kein Auge für die Heldin hat ist eine typische Ausgangsposition für diese Geschichten. Kobato. nimmt nach einigen kleinen, eher humorvollen Kurzgeschichten, die vor allem Kobatos Nicht-Wissen über die Menschenwelt thematisieren aber einiges an Fahrt auf: Kobato ist eigentlich tot. Als normaler Mensch geboren wurde sie das zufällige Opfer eines Konflikts zwischen Himmel und Hölle (übrigens derselbe Konflikt, der auch in Wish auftaucht). Gott bot ihr daraufhin einen Deal – wenn sie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne genug Menschen hilft, dann erfüllt er ihr ihren Wunsch. Die Liebe zwischen Kobato und Fujimoto ist damit gleich doppelt unmöglich, denn Kobato ist weder ein Mensch noch kann sie einfach bei ihm bleiben. Die unmögliche Liebe zwischen zwei Menschen ist ein zweites zentrales Thema in vielen CLAMP-Manga, weitere Beispiele sind Chi und Hideki aus Chobits, Shaolan und Sakura aus Tsubasa oder die Heldenpaare aus xxxholic und Wish.

Ein letzter und dritter Handzug findet sich in CLAMPs Art, die Liebe selbst darzustellen. CLAMPs Liebe ist eine doch sehr – in Ermangelung eines besseren Wortes – „reine“ Liebe. Sexuelle Konnotationen gibt es schlicht nicht. Stattdessen scheint CLAMPs Liebe eine Liebe zu sein, die sich stets allein auf eine emotionale Ebene beschränkt. Das liegt mitunter auch daran, dass viele von ihren Protagonisten nicht menschlich sind. Kobato ist tot und wurde ohne jede Menschenkenntnis wiedergeboren, sie kennt keine Sexualität. Ähnliches gilt für Wishs Kohaku, für die die körperliche Ebene ebenfalls keine Rolle spielt. Chi aus Chobits ist ein Roboter, die bewusst so konstruiert wurde, dass Geschlechtsverkehr sie resettet. Die Heldenpaare aus xxxholic und Tsubasa müssen am Ende trotz ihrer Liebe getrennt leben. Tatsächlich scheint CLAMPs Form der Liebe Sexualität bewusst auszuklammern.

Kobato entscheidet sich am Ende für einen neuen Wunsch. Weil sich gegen Ende der Serie herausstellt, dass der fiese Geldeintreiber ausgerechnet Sayakas Ehemann ist und dieser sie nur bedroht hat, um sie vor seinem Vater – dem eigentlichen Bösewicht – zu schützen, wünscht Kobato sich dass dieser Vater von den beiden ablässt, damit Sayaka und ihr Mann wieder in Frieden leben können. Damit nimmt sie bereitwillig ihren Tod in Kauf. Das treibt Ioryogi in die Verzweiflung, denn in Kobato steckt auch seine Liebe, der Engel Suisho (übrigens eine weitere markante Parallele zu Wish). Glücklicherweise hat Kobato. wie die meisten CLAMP-Manga aber trotzdem das übliche Happy End – mit Einschränkungen.

Kobato ist bei EMA in insgesamt 6 Bänden erschienen. Darüber hinaus gibt es auch eine Anime-Umsetzung, der sich zwar im Kern an das Original hält, um die 24 Episoden zu füllen aber einiges mehr an lustigen kleinen Alltagsgeschichten ergänzt. Eine deutsche Fassung gibt es leider derzeit nicht.

 

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