Kurzportrait: Charakterdesign

Sieh mir in die Augen…

Groß, größer, ganz groß: Wenn Anime und Manga für eines bekannt sind, dann sind das ohne Frage die riesigen Augen, die oft die Hälfte des Gesichts ausmachen.
Die Augen sind dabei nur ein Teil eines größeren visuellen Codes, bei dem die Persönlichkeit der Figur über ihr Aussehen ausgedrückt wird. Die markantesten Codes finden sich dabei in der Kleidung, den Haaren, den Augen und den verwendeten Farben.

Um ein Beispiel zu machen: In dem Anime K-On!, hierzulande bei Kazé Anime erschienen, handelt es sich um eine slice-of-life-Geschichte, bei der 5 junge Schülerinnen gemeinsam einen Musikclub besuchen. Die Mädchen müssen selbstverständlich die in Japan übliche Schuluniform tragen. Dennoch gibt es geringfügige Unterschiede in ihrem Design – eben diese Unterschiede sind entscheidend für ihre Persönlichkeit. 4 der Mädchen tragen ihre Uniform sauber und ordentlich, nur die wilde Ritsu steckt ihr Hemd nicht in den Rock und lässt den Blazer lieber offen. Dazu trägt sie kurze weiße Socken – genau wie Mugi. Mio und Azusa bevorzugen die dunklen, längeren Socken, die beiden ein etwas ernsteres Image verleihen. Protagonistin Yui ist die einzige, die Strumpfhosen trägt und sich damit deutlich als der kindlichste Charakter der Gruppe markiert. Yui hat schulterlange braune Haare, ähnlich wie Ritsu, was beide zu etwas burschikoseren Figuren macht. Die anderen drei Mädchen, Azusa, Mio und Mugi, haben alle lange Haare und sind damit die ruhigere Persönlichkeiten. Auf den ersten Blick sind Azusa und Mio zum Verwechseln ähnlich: beide mit langem, dunklen Haar, die Uniform sauber getragen, dunkle Socken. Azusa ist aber ein Jahrgang jünger und hat damit eine rote anstelle einer blauen Schleife. Außerdem trägt sie zwei Zöpfe, die sie etwas kindlicher machen. Es handelt sich dabei aber um ein ruhiges, gemäßigtes Jungsein, welches mehr das Alter meint und nicht mit Yuis Strumpfhosen-geistige-Jungheit zu verwechseln ist. Mio und Mugi tragen ihre Haare beide lang und offen. Mugi ist der einzige Blondschopf der Gruppe. Zusammen mit ihren auffällig dicken Augenbrauen wird sie dadurch von den anderen abgegrenzt, was sie auch visuell zu der höheren Tochter macht, die sie auch im Rahmen der Story ist. Mugi ist aber trotzdem kein typischerer „höherer Tochter“-Charakter, wie man ihn in zahlreichen Manga und Anime findet – denn sie trägt weiße Socken anstelle der eigentlich für diesen Typ üblichen schwarzen. Trotz ihrer vornehmen Herkunft hat sie damit nicht die ansonsten so typische Strenge.
Selbst in der Augenform lassen sich kleine, aber entscheidende Unterschiede finden. Azusas Augen sind am auffälligsten, sie sind deutlich kleiner als die der anderen. Da kleinere Augen typisch für eher erwachsenere Charaktere ist, tragen diese Augen zu Azusas ernstem, ruhigen Charakter bei. Mugi und Yui teilen sich beide sehr runde Augen – erkennbar an dem schwarzen Strich, mit dem das Oberlid dargestellt wird – während bei den anderen drei deutliche Spitzen zu erkennen sind. Diese runde Form verleiht beiden einen unschuldigen, im niedlichen Sinne planlosen Zug.
Mittels winziger Merkmale – Uniform, Augen und Frisur – lassen sich also für jeden Mädchen individuelle Charakterzüge ausarbeiten. Ritsu ist die Wilde der Gruppe, Yui die Kindliche, Mugi stellt die naive Prinzessin, Azusa die erwachsene Jüngere und Mio die Ernste.
In dem Trailer, den Kazé Anime zur Verfügung stellt, sind die Unterschiede der Mädchen klar erkennbar:

Bei K-On! handelt es sich um einen eher subtilen Fall von Charakterisierung über das äußere Design. Am auffälligsten ist das in den sogenannten Magical Girl-Anime, in denen sich die jungen Heldinnen mittels Zauberkräften in magische Kämpferinnen verwandeln. Die Mädchen kämpfen dabei niemals allein, sondern immer als Teil einer Gruppe – aber dennoch ist jedes von ihnen ein ganz anderer Typ, was sich hier vor allem über die Farbe ausdrückt. Jeder Charakter wird dabei eindeutig von einer Farbe dominiert, darunter z.B. Rosa, Rot, Blau, Lila, Gelb usw., wobei diese Farbe eindeutig die Persönlichkeit widerspiegelt.
Die typisch großen Augen – die übrigens gar nicht immer groß sind – sind also nur eines von zahlreichen Details, die zur speziellen äußeren Charakterisierung verwendet werden.

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