Kurzportrait: Schule in Japan

Die meisten Anime und Manga haben jugendliche Helden im Alter von 15 bis 17 – Schüler. Während die Schule in manchen Titeln allein als Schauplatz auftritt, gibt es auch mehr als genug Serien und Reihen deren gesamte Story durch den Schulalltag beeinflusst und aufgebaut ist.

Dabei hat sich das japanische Schulsystem sogar hierzulande einen Namen durch seine Strenge und Prüfungshölle gemacht. Japanische Kinder beginnen mit Kinderkrippen und Kindergärten, in denen erste Paukstunden verbracht werden müssen: Vor dem Grundschuleintritt müssen die Kinder das Hiragana-Silbenalphabet beherrschen. Tatsächlich entscheiden bereits hier Tests darüber, welche Grundschule der Schützling danach besuchen darf.

Mit 6 Jahren beginnt die reguläre Schule. Die Pflichtschulzeit umfasst sechs Jahre Grund- und drei Jahre Mittelschule. Nahezu alle Schüler besuchen danach noch drei Jahre die Oberschule. In der Mittel- und Oberschule besteht Uniformpflicht, im Rahmen von Kindergarten oder Grundschule ist das seltener, aber grundsätzlich auch möglich. Das Schuljahr beginnt im April, die Sommerferien, die auch in Japan 6 Wochen dauern, sind dementsprechend mitten im Schuljahr – und die Schüler erhalten über die Ferien einen Berg an Sommerhausaufgaben. Jede Schule hat daneben eine ganze Reihe an Schulregeln: Manche Schulen verbieten Schülerjobs, andere verpflichten zur Teilnahme an Schulclubs, andere schreiben vor wie lang die Haare sein dürfen, bevor sie zum Zopf gebunden werden müssen.

Sitzenbleiben können Schüler nicht, den Schulabschluss erlangt jeder, der regelmäßig am Unterricht teilnimmt. Stattdessen gibt es insbesondere für die Oberschule und die Universität Einstiegsprüfungen, die bestanden werden müssen. Der Schwierigkeitsgrad und die Kosten variieren – eine anerkannte Schule garantiert eine gute Uni- und Berufslaufbahn, ist aber teurer und hat besonders anspruchsvolle Tests. Die meisten Schüler (und auch Animehelden) müssen an mehreren Schul-Einstiegsprüfungen teilnehmen, falls es bei der Wunschschule nicht klappen sollte.  Auch deswegen erfolgt in der Mittelschule ein radikaler Umbruch. Während man den Grundschulunterricht in Japan noch mit dem deutschen vergleichen kann, wechselt der Unterrichtsstil in der Mittelschule zu dem, den man im Anime sieht: Der Lehrer steht vorne und redet, Fragen, Projektarbeit und grundsätzlich alles, was den Vortrag unterbricht, sind nicht gerne gesehen. Der Unterricht ist ab diesem Moment auf reine Wissensvermittlung ausgelegt, welches die Schüler zum Bestehen der nächsten Examen benötigen. Insbesondere Privatschulen fordern erheblich mehr als die weniger angesehenen staatlichen. Im Gegenzug ermöglichen diese Schulen am ehesten den Sprung zum Traumziel Nummer 1, dem auch viele Anime-Helden hinterher schwärmen: Der Aufnahme an einer der staatlicher Topuniversitäten. Kaum jemand hat eine so abgesicherte Berufslaufbahn wie Absolventen der berühmten Todai aus Tokio. Die Noten im Studium sind dabei tatsächlich weniger relevant, entscheidend für die Zukunft ist schlicht der Ruf der Universität. Ein reguläres Studium dauert vier Jahre, es gibt aber auch verkürzte Alternativen, die nur 2 Jahre in Anspruch nehmen. Die meisten Studenten beenden ihre Universitätslaufbahn mit einem Bachelorabschluss – höhere Abschlüsse wie Master oder Doktor sind zwar durchaus möglich, bieten in Japan wegen des späteren Berufseintrittsalters aber keine Vorteile. Wer nicht die Universität besucht steigt nach der Oberschule ins Berufsleben ein.

Um entsprechende Noten vorzulegen besuchen die meisten Schüler nach dem regulären Schulunterricht spezielle Zusatz- und Nachhilfeschulen, Juku genannt. Hier geht der Unterricht bis spät abends. Am nächsten Tag wird alles wiederholt. Es gibt auch spezielle Unterrichtseinheiten zur Examensvorbereitung. Daneben gibt es auch gezielt Einrichtungen für sogenannte Ronin – früher bezeichnete man damit herrenlose Samurai, heute ist es ein Begriff für Schulabsolventen, die die Einstiegsprüfung an ihre Wunschuniversität nicht geschafft haben und es noch einmal probieren wollen. Wer es sich leisten kann engagiert zusätzlich einen Privatlehrer, der zu Hause weiter unterrichtet.

Mit dem fröhlichen Schulleben, das in Anime und Manga so gerne gezeigt wird, hat die Realität wenig gemeinsam. Oft zu sehen sind die Lehrervorträge – bei denen die Schüler meistens an etwas ganz anderes denken -, die Phasen der Prüfungshöllen oder die Frage an welche Schule es nun gehen soll. Während viele Titel aber den Spaß mit Freunden, Clubaktivitäten oder die unbeschwerte jugendliche Zeit in den Vordergrund rücken, dann hat das nur wenig mit der Lebenswelt echter japanischer Schüler gemeinsam.

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