Kurzportraits: AMVs

Ziel der Kurzportraits ist die Vorstellung verschiedener Begriffe aus der Anime- und Mangawelt. Diese Woche geht es um AMVs.

AMV ist die Abkürzung für AnimeMusikVideo (bzw. anime music video) und bezeichnet von Fans produzierte Musikvideos, die primär mit Szenen aus Anime arbeiten (wobei in derzeitigen AMVs  oft auch weitere Elemente eingebaut werden, wie z.B. Mangapanels oder Spieleszenen). AMVs zählen damit neben z.B. Dōjinshi, Fanfiction oder Cosplay zu den zahlreichen Fanproduktionen, die sich rund um Manga und Anime ranken.
AMVs können sehr unterschiedlich sein, humorvoll oder ernst, melancholisch oder actiongeladen. Damit werden im Editing – also im Herstellen der Videos durch die Fans – ganz verschiedene Strategien angewandt: Manche sollen zum Weinen anregen, einige sind schlicht während andere durch ihre Effekte beeindrucken, wieder andere passen das Bild genau zur Musik an. Manche AMVs verwenden ausschließlich einen einzigen Anime, andere vermischen verschiedene Titel. Für die Musik selbst gibt es keine genauen Vorgaben – ob japanisch, aus Anime oder aus den Charts, alles wird verwendet. Daneben schließen sich Editoren mitunter auch zu Gruppen zusammen, wobei jeder einen kleinen Teil eines größeren AMVs erstellt.

Die meisten AMVs findet man auf klassischen Videoportalen wie z.B. Youtube oder auf AMVs spezialisierten Seiten wie animemusicvideos.org. Hier gibt es sogar zahlreiche Möglichkeiten nach verschiedensten AMVs zu suchen – z.B. nach Genre oder nach Zuschauerbewertungen. Daneben sind AMVs inzwischen aber auch ein beliebter Bestandteil von Anime-Conventions. Viele Conventions haben ihre eigenen AMV-Wettbewerbe, für die jeweils eigene Regeln gelten. Die Connichi, eine der größten Conventions für Manga und Anime in Deutschland, schreibt in den Regeln für den hauseigenen AMV-Contest unter anderem, dass die Videos keine jugendgefährdenden Inhalte wie z.B. explizite Gewalt- oder Pornographieszenen beinhalten dürfen.

Rechtlich gesehen bewegen sich AMVs in umstrittenen Gewässern. Fans besitzen weder die Rechte an der von ihnen verwendeten Musik noch an den Anime und sind nach derzeitigem deutschen Urheberrecht klar illegal. Gerade auf Videoportalen kommt es deswegen häufiger vor, dass User die Musik ihres Videos bewusst verändern (z.B. pitchen) oder Bildränder einbauen, um die Kontrolle auszutricksen. Nichtsdestotrotz werden AMVs immer wieder gesperrt. Dennoch bewegt sich ein großer Teil an AMVs ohne Konsequenzen im Internet – insbesondere weil AMVs zumindest teilweise auch als Werbung für Anime dienen. Ein gutes AMV, so die Sichtweise mancher Internetuser, kann dazu anregen die gezeigten Anime zu sehen. Daneben gilt der ausländische Markt aus der Sicht Japans als zu klein, um tatsächlich rechtlich gegen Verstöße vorzugehen (zumindest derzeit – Änderungen sind durchaus möglich).

In Anlehnung an das AMV gibt es auch verwandte Formen, darunter z.B. das GMV – das game music video, das hauptsächlich mit Szenen aus Computer- und Konsolenspielen arbeitet – oder das Cosplay-Video. Cosplay-Videos sind sind live action Videos – oft genug auch hier Musikvideos, aber auch andere Typen sind möglich -, in denen das zentrale Geschehen vor der Kamera von Cosplayern gestellt wird. Im Gegensatz zu AMV und GMV, wo es hauptsächlich um das Editing bzw. den Schnitt des Videos geht, zählen bei einem Cosplay-Video auch andere Elemente, z.B. die Kameraführung oder die Cosplays selbst.

 

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