Kurzportraits: Dōjinshi

Ziel der Kurzportraits ist die Vorstellung verschiedener Begriffe aus der Anime- und Mangawelt. Diese Woche geht es um Dōjinshi.

Bei den Dōjinshi (weitere geläufige Schreibweisen sind auch Dojinshi und Doujinshi) handelt es sich im Kern um Manga. Im Gegensatz zum Manga werden Dōjinshi aber nicht über einen Verlag vertrieben, sondern vom Künstler selbst verkauft. Die Zeichner sind damit nicht nur für die Fertigstellung des Werks verantwortlich, sondern übernehmen auch dessen Druck, Verkauf, Werbung und weiteres selbst. Oftmals gilt der Dōjinshi auch als Amateur-Form des Manga. Das bezieht sich allerdings weniger auf die Qualität der Dōjinshi – viele Werke sind extrem hochwertig – sondern mehr auf die Tatsache, dass es sich bei den Zeichnern selbst oft um Leute handelt, die eine professionelle Karriere als Mangaka in einem Verlag anstreben, also noch Amateure sind. Tatsächlich gibt es diverse professionelle Mangaka (z.B. CLAMP), die ihre Fertigkeiten zunächst durch das Anfertigen diverser Dōjinshi feilten, bevor ein Verlag auf sie aufmerksam wurde. Während der größte Teil des Markts aus Amateur- oder Hobbyzeichnern besteht, gibt es auch einige professionelle Mangaka, die weiterhin Dōjinshi zeichnen.

Für die Zeichner bieten Dōjinshi verschiedene Vor- und Nachteile. Für viele gilt der Dōjinshi als Sprungbrett zum Mangaka. Der Dōjinshi-Markt in Japan ist erheblich größer als das derzeit im Westen der Fall ist und ganze Conventions sind im Kern ausschließlich dem Verkauf von Dōjinshi gewidmet (Zeichner können bei diesen Treffen einen Platz mieten und dort ihre Werke verkaufen). Japanische Verlage nutzen Dōjinshi durchaus, um vielversprechende neue Talente zu entdecken. Daneben bietet Dōjinshi mehr künstlerische sowie inhaltliche Freiheiten. Ein Manga-Magazin ist kommerziell, die Manga die es veröffentlicht müssen deswegen erfolgreich sein, eine möglichst große Zielgruppe ansprechen und stilistisch und inhaltlich gemäßigt genug sein, um diese Zielgruppe nicht zu verprellen. Dōjinshi dagegen können gezielt sehr kleine Zielgruppen ansprechen und müssen sich keinen Verlagsrichtlinien unterwerfen. Durch diese Möglichkeiten entwickelten sich einige Genre allein aus dem Dōjinshimarkt, darunter vor allem das des Yaoi (sexuelle Kontakte zwischen Jungen / Männern) oder das des Lolicon (sexuelle Kontakte mit vorpubertären Mädchen).  Solche Freiheiten in Darstellung und Inhalt sind es auch, die bereits professionelle Mangaka wieder Dōjinshi veröffentlichen lassen. Auch andere, kreative Ideen sind möglich: Kommerzielle Manga-Magazine veröffentlichen die Werke immer monochrom auf billigem Papier, Dōjinshi können aber z.B. teureres Papier oder auch Farbe benutzen. Auf der anderen Seite haben Dōjinshi-Künstler kein festes Gehalt durch ihr Werk, der Gewinn hängt allein von den verkauften Dōjinshi ab.

Dōjinshi können sowohl ein Originalwerk mit eigenen Charakteren sein oder aber mit den Charakteren eines bekannten Manga arbeiten. Verkauft werden darf in Japan beides und aufgrund der teilweise begrenzten Stückzahl gelten manche Dōjinshi als heißbegehrte Rarität. Im Westen sieht das anders aus. Der Erfolg von Manga und Anime hat auch hierzulande viele zum Zeichnen animiert. Der Dōjinshi-Markt in Deutschland ist allerdings viel zu klein um wie in Japan seine eigene Veranstaltung zu haben. Dōjinshi von deutschen Zeichnern werden auf allgemeinen Anime- und Manga-Conventions oder über das Internet angeboten. Daneben gibt es selbstverständlich viele Dōjinshi frei zugänglich im Internet. Auf der Online-Community Animexx oder auf Deviantart haben zahlreiche Künstler ihre Arbeiten hochgeladen. Animexx bietet im Dōjinshi-Bereich unter anderem die Unterkategorie Leseprobe – die Werke hier sind fast alle Leseproben für erwerbbare Dōjinshi von deutschen Zeichnern. Aufgrund den Bestimmungen des Urheberrechts  handelt es sich bei deutschen erwerbbaren Dōjinshi allerdings immer um Originalwerke. Dōjinshi, die fremde Charaktere verwenden, werden, solange sie frei zugänglich sind, toleriert – zumal die japanischen Urheber aufgrund der Praxis im eigenen Land ohnehin keine Ansprüche erheben.

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