Kurzportraits: Lolicon & Shotacon

Wenn man sich im Gebiet von Manga und Anime bewegt, dann findet man sowohl in der Forschung als auch innerhalb der Fangruppen und Communities ein eigenes Vokabular: YaoiDojinshi, Kabedon, Tsundere uvm. sind  Begrifflichkeiten, die man beherrschen sollte, wenn man sich sicher in diesem Themengebiet bewegen will. Diese Woche geht es um Lolicon und Shotacon.

Bei Lolicon und Shotacon handelt es sich um jeweils zusammengesetzte Begriffe. Loli ist die kurze Form für LolitaShota ist ein männlicher japanischer Vorname. Con ist die japanische Abkürzung des Worts Komplex – es handelt sich also um Lolita-Komplexe und Shota-Komplexe.

Als Komplex wird innerhalb der Manga- und Animefanszene eine extreme emotionale Fokussierung gekennzeichnet, ähnlich wie auch unter anderem bei dem Begriff moe. Ob und inwiefern es sich dabei auch um sexuelle Präferenzen handelt hängt mehr vom Kontext ab und lässt sich nur aus dem Begriff selbst nicht eindeutig herleiten und es gibt auch keine zuverlässige Abgrenzung zum Begriff moe. Generell kann man sagen, dass die Bezeichnung -con sich mehr auf eine bestimmte Person oder Personengruppe konzentriert. Innerhalb der Manga- und Animekultur kennt man eine Vielzahl solcher Komplexe, darunter z.B. der Siscon (sister complex), Brocon (brother complex) oder auch der Mazacon (mother complex). Eine Figur mit einem sogenannten Siscon ist über die Maßen fürsorglich und liebevoll zu der eigenen Schwester.

Lolicon und Shotacon stellen zwei spezielle Ausprägungen dieser Komplexe. Wie alle anderen Komplexe müssen die Begriffe eigentlich nicht unbedingt eine sexuelle Konnotation haben, in ihrer primären Bedeutung bezeichnen sie allerdings inzwischen eindeutige Titel-Gruppen.  Lolicon beschreibt Werke, die sexuelle Interaktionen mit Mädchen beinhalten, die dem Aussehen nach 6 bis 13 Jahre alt sind. Der Lolita-Teil des Begriffs lehnt sich dabei an den Roman Lolita von Vladimir Nabokov, in dem ein älterer Mann sich ebenfalls zu einem nicht erwachsenen Mädchen hingezogen fühlt. Shotacon ist das männliche Gegenstück und meint also sexuell explizite Darstellungen mit vorpubertären Jungen. Shota ist dabei der Name einer fiktiven Figur, die damals populär war und mit der die ersten Shotacon-Werke entstanden.

Weil es sich bei Lolicon und Shotacon also um sexuelle Darstellungen mit Kindern handelt, wirft dies unweigerlich Fragen darüber auf, ob es sich hierbei um Kindesmissbrauch oder/und Kinderpornographie handelt. In Deutschland ist nach §184b Abs.1 StGB jegliche pornographische Darstellungen mit Kindern – und das umfasst auch fiktives Material wie Filme, Bücher, etc. – untersagt. In Japan sieht die Rechtslage allerdings anders aus. „Echte“ Kinderpornographie ist in Japan ebenso verboten wie hier (allerdings erst seit 2014). Fiktives, wie unter anderem auch Shotacon und Lolicon, sind von diesem Gesetz aber explizit ausgeschlossen. Der Besitz oder die Produktion von Shota- oder Lolicon-Titeln in Japan ist also grundsätzlich legal. Viele Länder haben allerdings keine eindeutige Regulierung – zumal diese auch dadurch erschwert wird, dass das Alter der Figuren kaum zu bestimmen ist. Eine Figur kann jung aussehen – kann aber ebenso 20 Jahre alt sein. Die schwammige Rechtsgrundlage im Ausland sorgt immer wieder für Schlagzeilen wenn entsprechende Titel importiert werden. So wurde 2005 wurde ein Kanadier durch den Import und Besitz von Lolicon-Titel verurteilt[1].
Die Diskussion wirft unweigerlich die Frage auf inwieweit Konsumenten in der Lage sind zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden – dieselbe Diskussion kennen wir hier zulande eher mit Computerspielen. Die zentrale Frage dahinter ist, ob das Spielen von Computerspielen („Ballerspielen“) bzw. der Konsum von Lolicon-Titeln entsprechendes Verhalten in Form von Amokläufen und Vergewaltigung fördern. Es gab bereits zahllose Studien über die Effekte von Computerspielen und beide Antworten – sowohl dass Spiele Aggressionen fördern als auch die, dass es keinen direkten Einfluss gibt – wurden nachgewiesen. So gesehen kann man weder für Computerspiele noch für Lolicon wirklich bislang zu einer eindeutigen Antwort gelangen.

In Japan sind Lolicon und Shotacon derzeit zwar legal, es gibt aber auch Bestrebungen solche Werke zu verbieten, bislang allerdings ohne Erfolg. Kinderschutzorganisationen fördern jeglichen Versuch, diese Werke zu unterbinden, Künstler und Konsumenten betonen die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion.

[1] Quelle: Animenewsnetwork

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