Kurzportraits: Mukokuseki

Sind Anime- und Mangacharaktere eigentlich japanisch? Obwohl die Settings der meisten Titel sich eindeutig in Japan befinden, so sehen doch die wenigsten Charaktere mit ihren großen Augen und ihren bunten Haaren japanisch aus.

Dieses Phänomen diskutiert man in der Forschung unter dem Begriff „mukokuseki“ und meint damit das Fehlen einer eindeutigen Ethiezugehörigkeit. Die Figuren haben damit weder ein japanisches Äußeres noch ein kaukasisches, wie manch anderer das in den mehrheitlich weißen Charakteren erkennt, sondern eine Art hybrides, generalisiertes Aussehen – obwohl die meisten der Figuren ganz eindeutig im Rahmen ihrer Narration trotzdem Japaner sind, die japanischen Settings spielen oder typisch japanische Elemente, wie das japanische Schulsystem, Onsen, Bento, Kimono und andere spezielle Kleidungsstücke beinhalten.

Damit ergibt sich eine interessante Diskussion: Die einen meinen, Anime und Manga sind im Ausland aufgrund ihrer speziellen Japanischkeit so erfolgreich – sie sind anders als die hiesige westliche Kultur und damit schlicht exotisch. Die anderen meinen, dass Anime und Manga in einem ihrer zentralsten Elemente – den Charakteren – eine spezielle Japanischkeit meiden und damit der Erfolg im Westen möglich wurde: Der ethnielose Look ermöglicht ein Übertragen der eigenen Identität auf die stilisierten Figuren, sodass sich ausländische Konsumenten leicht mit den Figuren identifizieren können.

Mukokuseki ist aber auch im Hinblick auf ausländische Figuren in Manga und Anime interessant. Tatsächlich findet man hier zwei Varianten: In manchen Serien gibt es keinerlei Unterschied zwischen den japanischen und nicht-japanischen Figuren. Andere Serien dagegen verwenden stilisierte Stereotypen: Amerikaner sind muskelbepackte und in der Regel ulkige Blondschopfe und schneiden damit doch besser als die eher unvorteilhaft dargestellten Chinesen ab. Tatsächlich tragen ausländische Figuren damit mehr Ethniemerkmale als die japanischen.

Ob und inwiefern Anime und Manga sich durch eine spezielle Japanischkeit auszeichnen bleibt eine der zentralen Fragen des Forschungsdiskurses.

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