Kurzportraits: Pairing und Shipping

Tsundere, Otaku, kawaii – um sich im wirren Begriffsdschungel, den es im Bereich Manga und Anime gibt, ein bisschen besser zurecht zu finden, dreht sich dieser Beitrag um die Begriffe Pairing und Shipping.

Anders als bei so manch anderen Begriffen, die hier schon diskutiert wurden, handelt es sich deutlich um englische Bezeichnungen. Tatsächlich werden beide eher im westlichen Raum verwendet und beziehen sich auch grundsätzlich nicht nur auf Anime und Manga, sondern können prinzipiell auf alle fiktionalen Werke – und inzwischen durchaus auch darüber hinaus – bezogen werden.

Pairing ist in diesem Zusammenhang der simplere Begriff. Getreu seiner Bedeutung bezeichnet der Begriff Pairing ein romantisches Paar – nur sind hier eben speziell Paare von fiktionalen Charakteren gemeint. Shipping hat im Kontext des Fandoms weder etwas mit Schiffen noch mit Versand zu tun. Stattdessen leitet sich das Wort vom Englischen relationship ab und meint damit also auch die Beziehungen zwischen fiktionalen Figuren. Der Begriff wird vielfältig genutzt: Shipper shippen bestimmte ships oft in shipping wars. Da kann man schon mal etwas durcheinander kommen…

Ein ship – beziehungsweise im Deutschen durchaus auch ein Ship – meint das spezielle Paar bzw. das Pairing, zum Beispiel also A mit B. Ein Shipper ist ein Fan, der ein bestimmtes Ship unterstützt: Max Mustermann ist ein Shipper von A und B heißt dementsprechend, dass besagter Max A und B als Paar befürwortet. Gleichzeitig kann man es aber auch als Verb verwenden. Max kann also sagen: „Ich shippe A und B!“ – was dann also bedeutet, dass er eine Beziehung zwischen A und B unterstützt.

Ein beliebtes Ship oder viele Shipper müssen aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass es dieses Ship im Rahmen des fiktionalen Werks tatsächlich gibt. Ein Ship bezeichnet dementsprechend einfach nur die persönliche Ansicht oder auch das Wunschdenken, Personen mit anderen Personen (und manchmal auch Gegenständen) zu verkuppeln. Deswegen kann man im Rahmen des Ships auch feinere Unterscheidungen treffen. Ein sogenanntes canon ship ist ein im Werk bestätigtes Paar, wenn der Autor oder Mangaka beide Figuren also explizit als Paar zeigt. Das crack ship dagegen meint ein Pairing zwischen Charakteren, die mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit niemals ein Paar werden – zum Beispiel auch, weil die betroffenen Figuren in unterschiedlichen Werken auftauchen. Crack ships sind deutlich mit einem zwinkernden Auge zu sehen, leicht zu erkennen daran dass das crack in der Bezeichnung von to crack up, sich kaputtlachen, stammt. Eine Figur mit einem Gegenstand zu shippen nennt man cargo ship. Um nur ein Beispiel zu nennen: In dem japanischen Spiel Fire Emblem: Fates gibt der Charakter Leo zu sehr gerne Tomaten zu essen – was wiederum Leute dazu geführt hat Leo mit Tomaten zu shippen (auch wenn Leo im Rahmen seines Spiels niemals romantische Avancen Richtung Tomate macht). Zusätzlich dazu bekommen Ships in der Regel spezielle Namen, die sich meistens aus einer Kombination der Namen der betroffenen Figuren zusammensetzen.
In diesem Zusammenhang liest man auch vom OTP, eine Abkürzung für one true pairing. Es handelt sich also ein Pairing, was der Betroffene über alle anderen Möglichkeiten stellt und zu dem  oft auch eine enge emotionale Verbindung besteht. Das Gegenstück dazu ist das notp, no true pairing, womit eine spezielle Abneigung gegen ein Paar ausgedrückt werden kann. Es gibt noch weitere Varianten wie OT3, was bei den ohnehin oft auftauchenden Dreiecksbeziehungen benutzt werden kann, oder das sogenannte BroTP. Das BroTP unterscheidet sich etwas vom Rest, denn anders als seine Verwandten meint das BroTP keine romantische, sondern stattdessen eine enge freundschaftlichen, nahezu brüderliche Beziehung.

Veranschaulichen wir die Begriffe an einem Beispiel. Bleach ist ein typischer Shonen-Manga, soll heißen: Liebe kommt vor, spielt an sich aber keine große Rolle. Es gibt (bis zum letzten Kapitel) also kein explizites canon pairing, das vom Autor bestätigt wird. Wie jeder gute Protagonist hat Ichigo aber durchaus mehrere romantische Optionen, allen voran Rukia und Orihime, die zumindest beide potentiell romantische Momente mit Ichigo haben. Für Fans sind andere Shippings – auch zwischen dem Helden und seinen männlichen Freunden oder dem Erzfeind – allerdings ebenso möglich; beschränken wir uns der Einfachheit halber auf diese beiden.

Da der Bleach-Manga also sowohl für das Paar „Ichigo-Rukia“ als auch „Ichigo-Orihime“ entsprechende Hinweise enthält, haben sich hier im Wesentlichen zwei große Lager gebildet. Wie jedes Pairing erhielten beide die entsprechenden Abkürzungen: das Ichiruki-Ship und das Ichihime- / Origo-Ship. Bleach lief 15 Jahre, für viele war ihr Paar ein absolutes OTP. Da die Shipper das jeweils andere Paar aber verständlicherweise als den Erzfeind des eigenen Pairings sahen, entwickelte sich zwischen den beiden Gruppen etwas, was man shipping war nennt – also einen Krieg unter Shippern. Dabei geht es im Kern eigentlich darum zu beweisen, warum das eigene Ship das wahrscheinlichere canon pairing ist. Dabei bleibt es allerdings nicht immer und kann im extremen Fall sogar zu persönlichen Beleidigungen außerhalb jeglicher Argumentation führen. Genau das ist es, was auch heute noch zwischen Ichiruki- und Ichihime-Anhängern passiert. Obwohl der Bleach-Manga inzwischen geendet und offiziell Ichigo mit Orihime verheiratet hat, misstrauen viele Ichiruki-Fans dem ohnehin extrem umstrittenen Ende und shippen Ichiruki deswegen einfach weiter – sehr zum Ärgernis der Ichihimes. Auf sozialen Netzwerken wie z.B. tumblr kann man unter den entsprechenden Hashtags wie Ichiruki, Ichihime, origo, anti-ichihime entsprechende Kriege finden.
Manche Ichirukis nehmen es auch mit Humor, dass ihr OTP so plötzlich fallen gelassen wurde – zum Beispiel indem sie entsprechende romantische Passagen so editieren, dass Rukia mit wehmütigem Blick nicht mehr „Ichigo…“ sondern „Bro…“ sagt. Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf das BroTP, also eigentlich die enge freundschaftliche Beziehung. Denn während Ichihimes argumentieren, dass Rukia und Ichigo nur Freunde – Bros – waren, so lässt sich nicht leugnen, dass die editierten Szenen selbst mit dem Begriff „Bro“ alles andere als brotherly sind…

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