Kurzportraits: Vocaloid

Zeit, in ein etwas ungewöhnliches Thema einzusteigen: Vocaloid. Vocaloid ist weder ein Anime noch ein Manga, ist aber trotzdem aus der Szene, die auch erheblich zu Vocaloids Erfolg beigetragen hat, längst nicht mehr wegzudenken.

Vocaloid ist eine Software die es ermöglicht Gesang künstlich herzustellen – einen Sänger braucht es also nicht mehr. (Wer sich für die technische Funktionsweise von Vocaloid interessiert, dem sei der englische Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt, der die Funktionsweise des Programms übersichtlich erklärt.) Was zunächst als simple Zusammenarbeit von Yamaha und der spanischen Universität Pompeu Fabra begann, ist inzwischen ein beeindruckendes weltweites Phänomen geworden.

Dabei umfasst der Name Vocaloid im Alltagsgebrauch längst mehr als die reine Software. Es gibt verschiedene Vocaloid-Stimmen, die jeweils auch unterschiedliche Sprachen zur Verfügung stellen. Neben Japanisch gibt es derzeit Englisch, Spanisch, Koreanisch und Chinesisch. Insbesondere die asiatischen Vocaloid vermarkten sich oft über eine Anime-Figur, die speziell für das Programm designt wird – was wiederum dazu geführt hat, dass diese Stimmen humanisiert wurden und die Figuren nun liebevoll als Vocaloids gelten. Die japanischen Vocaloids sind in der Anime- und Mangacommunity zweifellos am bekanntesten, zu den absoluten Topstimmen zählen Hatsune Miku, Kaito, Kagamine Rin und Len und Megurine Luka – auch wenn es sich dabei nur um eine winzige Auswahl der tatsächlich verfügbaren Stimmen handelt.

Jedem Vocaloid liegt eine originale, menschliche Stimme zugrunde, die anschließend als eine Bibliothek dem Programm zur Verfügung steht. Tatsächlich war es aber genau diese Stimmbibliothek, die der Software am Anfang Probleme bereitete. Hersteller Crypton Future Media musste damals zugeben, dass professionelle Sänger nicht dazu bereit waren ihre Stimme als Kopie dem Programm zu überlassen. Man wandte sich daraufhin an japanische Synchronsprecher, die unter anderem auch Anime ihre Stimme leihen. Wegen der Nähe zum Anime wurde dann die Figur Hatsune Miku entworfen. Ursprünglich als reine Werbefigur gedacht ist sie heute eine der bekanntesten Figuren schlechthin. Ihr Stimmsynthesizer wird in mehr als 100 000 Songs verwendet. Hatsune Miku Vocaloid 2 kurbelte ab 2007 den Erfolg ordentlich an. Aber noch ein weiteres Phänomen hat dazu beigetragen Vocaloid zu dem zu machen was es inzwischen ist: die Fans. Fans und Nutzer der Software begannen damit ihre Musik – oder die Musik anderer – mit Animationen zu unterlegen.  Insbesondere auf Nico Nico Douga (eine Art japanisches YouTube) tauschten Nutzer sich zunehmend aus, gaben Rückmeldungen, Song-Produzenten fanden Animatore, Animatore fanden Song-Produzenten. Für viele Vocaloid-Songs gibt es inzwischen hochwertige Musikvideos, sowohl in 2D als auch in 3D, die selbstverständlich auch auf Youtube zu finden sind.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass Vocaloid nichts weiter als eine Software ist, die jedermann kaufen kann. Jeder kann einen Vocaloid-Song produzieren. Die Songs benutzen also alle dieselbe Software (zumindest im Kern, denn inzwischen gibt es nicht nur verschiedene Vocaloids, sondern auch verschiedene Versionen der Software – die aktuellste ist Vocaloid 4), aber stammen von vielen verschiedenen Produzenten. Dementsprechend findet man auch eine große künstlerische Bandbreite unter Vocaloid-Songs mit verschiedensten Stilen und Themen.

Viele der Vocaloids sind dermaßen beliebt, dass sie unabhängig von ihrer eigentlichen Software Merchandising ermöglichen, wie beispielsweise Figuren oder Videospiele, die auch hierzulande erhältlich sind. Ein besonderes Highlight sind Vocaloid-Konzerte. Inzwischen wurde für diese Konzerte eine spezielle Hologrammtechnik entwickelt, die die durch und durch künstlichen Figuren in 3D auf die Bühne projizieren – ganz ohne Bildschirm, so als ob sie tatsächlich da wären. Die Konzerte sind oft ausverkauft.

Interessiert? Die Homepage von Vocaloid gibt es auch in Englisch. Hier gibt es auch die Gelegenheit, sich Proben der einzelnen Stimmen anzuhören. Wem das zu langweilig ist, der kann ohne Probleme Youtube besuchen und mit dem simplen Stichwort Vocaloid eine ganze Bandbreite verschiedenster Songs unterschiedlicher Vocaloids und Produzenten hören – derzeit bietet Youtube mehr als 4 Millionen Ergebnisse.

Weitere Infos rund um Vocaloid gibt es in den von Fans geführten Wikis, wie z.B.

Vocaloid auf seiner Homepage neben seinen verschiedenen Vocaloid-Versionen auch eine Übersicht darüber, wie man sich das Produzieren eines Songs vorstellen kann:

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