Kurzportraits: Weihnachten und Silvester in Manga

Weihnachten steht wieder vor der Tür – und so, wie jedes Land seine eigenen Weihnachtsbräuche hat, so feiert man Weihnachten auch in Japan anders, als wir es hier kennen.

Weihnachten ist in Japan kein Feiertag. Das ist keine Überraschung, denn es bekennen sich nur ca. 1 Million Japaner zum Christentum – gerade mal 1% der japanischen Bevölkerung. Weihnachten gilt in Japan weniger als ein religiöses Fest, das man im Beisammensein mit der Familie feiert, sondern vor allem als ein Abend, den man mit dem Partner verbringt, ähnlich wie der Valentinstag. Dementsprechend ist es üblich, sich mit seinem Herzblatt zu einem romantischen Date zu verabreden. Die Heldinnen von Shojo-Manga sieht man schon Wochen vorher über mögliche Geschenke für den Liebsten brüten. Für den Manga sind selbstgemachte Schals ziemlich typisch – damit kann man dann auch gleich durch die Innenstadt flanieren, die beeindruckende Lichtershows bietet. Danach geht es ins Restaurant. Ältere Protagonisten, darunter meistens Studenten, verlegen den Rest des Abends dann in ein Hotel. Santa Claus besucht erst seit wenigen Jahren Familien mit kleinen Kindern in Japan.

Neben dem obligatorischen Date gehören auch noch einige weitere Dinge zu einem typisch japanischen Weihnachten: Auf gar keinen Fall sollte der Christmas-Cake fehlen, ein Erdbeer-Biskuitkuchen, der oft auch aufwendig verziert ist. Als Festmenü für Familien und alle, die kein Date ergattern konnten, hat sich tatsächlich das Weihnachtsmenü der amerikanischen Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) durchgesetzt. Laut KFC begann der Überraschungszug des Fried Chicken in Japan mit einem Amerikaner, der Weihnachten in Japan verbrachte. Da partout kein Truthahn zu finden war, sah der Herr in Fried Chicken die passende Alternative. KFC startete daraufhin eine Werbekampagne, die bis heute dafür sorgt, dass viele Japaner Fried Chicken zu Weihnachten essen. Dabei sollte man sich nicht wundern, wenn einem bei den letzten Besorgungen jede Menge Menschen in Weihnachtsmann- (oder –lady)-Kostümen begegnen.

Am 25.12. ist das weihnachtliche Spektakel in Japan bereits ganz vom Tisch und es laufen die Vorbereitungen auf das eigentlich wichtigere Neujahrsfest. Traditionell gehören zu einem japanischen Silvester Neujahrskarten, die rechtzeitig geschrieben sein sollten, der Neujahrsputz am 13.12. und bis zum 28.12. müssen entsprechende Neujahrsdekorationen aufgestellt werden, um bei den Göttern nicht in Ungnade zu geraten. Die meisten Firmen bleiben zwischen dem 29.12. und dem 3.1. geschlossen, um Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, die Familie zu besuchen. Der eigentliche Silvesterabend geht mit dem Beisammensein in der Familie, bei dem der traditionelle Gesangswettbewerb im Fernsehen verfolgt wird, relativ entspannt vorbei. Das neue Jahr beginnt mit Tempelglocken: 108-Mal wird die große Glocke jedes Tempels geschlagen. Viele nutzen das zum Hatsumode, dem ersten Tempelbesuch im neuen Jahr. Der eigentliche Feiertag ist Neujahr – passend mit Festessen und Geldgeschenken für die Kinder.

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