Last Hero Inuyashiki

Alter Mann für alle

Inuyashikis Leben ist kein leichtes: Obwohl er erst 58 Jahre alt ist, sieht er bereits bedeutend älter aus, er hat keine Freunde und auch seine Frau und seine zwei Kinder haben vor dem herzensguten Mann keinen Respekt. Als bei Inuyashiki dann noch Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, scheint alles vorbei zu sein. Auf einem nächtlichen Spaziergang gerät Inuyashiki unerwartet in eine Explosion – und wacht morgens erstaunlich energiegeladen in seinem Zimmer wieder auf. Schnell stellt er fest, dass sein kranker Körper durch einen komplett mechanischen ersetzt wurde, der ihm äußerlich zwar bis aufs Haar gleicht, aber mit einigen nützlichen Hilfswerkzeugen kommt: Inuyashiki ist nicht nur erheblich schneller und stärker als vorher, sondern kann unter anderem auch fliegen und Geschosse abfeuern. Obwohl ihn die Situation verwirrt, gelingt es ihm mit diesen neuen Fähigkeiten einen Obdachlosen vor einer Meute mobbender Jugendlicher zu retten. Von diesem Erfolg motiviert beschließt Inuyashiki, seinen neuen Körper für das Gute einzusetzen. Wie alle guten Superhelden wird aber auch Inuyashiki mit einem ernst zu nehmenden Gegner konfrontiert, der ebenfalls einen mechanischen Körper hat…

Inuyashiki ist einerseits ein klassischer Superheld – und dann auch wieder nicht. Wie so viele Superhelden erlangt er durch schlichten Zufall seine besonderen Fähigkeiten, vollführt eine Wandlung von zero to hero und entschließt sich nahezu instinktiv dazu, diese zum „Guten“ einzusetzen. Auf der anderen Seite bleibt Inuyashiki äußerlich ein alter Mann, anders als so mancher Superheld wird er trotz seines neuen Körpers kein Stückchen attraktiver. Gleichzeitig legt er auch nicht eine Geheimidentität wie unter anderem Spiderman an: kein Superheldenanzug, keine Versteckspielchen mit Familie oder Freunden, um das plötzliche Verschwinden zu erklären. Die Unterschiede ziehen sich auch noch weiter: die für das Genre der Superhelden durchaus typische Unterstützungsfigur ist ein normaler Junge namens Naoyuki, der von Inuyashikis Fähigkeiten schwer begeistert ist und ihm hilft, diese gezielt einzusetzen. Trotz ihres Altersunterschieds verstehen sich die beiden blendend und auch Inuyashikus eher siebzigjähriges Äußerliches hält ihn nicht davon ab, gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Der Altersunterschied wird auch in Form des Rivalen ausgespielt: Alles, was Inuyashiki nicht ist, verkörpert der gut aussehende, beliebte Hiro – bis hin zum Namen, denn obwohl das japanische Hiro keinerlei Verwandtschaft zum englischen hero (dt.: Held) hat, ist die identische Aussprache doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass normalerweise jemand wie Hiro der klassische Protagonist wäre. Da Hiro einen ebenso übermenschlichen Körper wie Inuyashiki besitzt und diesen vor allem dazu verwendet, wahllos Menschen umzubringen, kommt es, wie es kommen muss. Der Kampf zwischen Inuyashiki und Hiro nimmt gewaltige Ausmaße an und kostet etliche Menschen das Leben. Inuyashiki kann Hiro besiegen und wird als Held verehrt, muss aber letzten Endes sein Leben lassen, um einen Meteoriteneinschlag auf der Erde zu verhindern.

Wie das in Manga und Anime aber oft der Fall ist, sind die Bösen nicht einfach nur böse. Obwohl Hiro von Anfang an bereits wahllos Menschen tötet, bietet er Naoyuki auch an, seine Mobber zu töten. Seine eigene Mutter heilt er von Krebs – mit dem neuen Körper alles kein Problem – und ermöglicht es ihr, in einem besseren Apartment zu leben. Die Polizei kommt Hiro aber auf die Schliche und will ihn festnehmen. Fortan sind Hiro und seine Mutter auch im Visier der Medien und der Öffentlichkeit. Als Hiro erkennt, dass seine Mutter auf 2chan – ein großes soziales Netzwerk in Japan – beleidigt wird und diese sich daraufhin selbst tötet, bringt er sowohl den Vater, der die Familie verlassen hat, als auch jeden einzelnen Poster, die über seine Mutter gelästert haben, um. Fortan lebt er auf der Flucht. Unterschlupf findet er bei Shion und deren Großmutter, für die er beginnt, seine Fähigkeiten zu nutzen um kranke Menschen zu heilen. Als seine neue Familie bei der versuchten Ergreifung Hiros durch die Polizei getötet wird, erklärt Hiro Japan den Krieg und beginnt systematisch Menschen zu töten. Inuyashiki kann ihn letzten Endes besiegen, lässt ihn aber am Leben.  Zuletzt hilft Hiro Inuyashiki dabei, den Meteoriten von der Erde abzulenken, indem er sich selber zerstört. Auf der einen Seite hat Hiro damit eine eindeutig gewaltbereite, radikale Seite, die von Anfang an bei ihm zu sehen ist. Gleichermaßen wird aber auch deutlich, dass Hiro sich eigentlich nur Zuneigung und eine Familie wünscht: Für seine Mutter und seine Ersatzfamilie schwört er zunächst, mit dem Töten aufzuhören – und beginnt tatsächlich wieder erst, als Dritte die friedliche Situation wieder aufstören. Hätte der Vater die Familie damals nicht verlassen, dann wäre Hiro sehr wahrscheinlich nie auffallend geworden.

Markant ist, dass auch Inuyashiki keine intakte Familie hat, auch wenn das bei ihm ganz andere Konsequenzen hat. Frau und Kinder haben ihn zwar nicht verlassen, sind aber distanziert, streitend und verbringen keine gemeinsame Zeit miteinander. Es gibt aber auch einen entscheidenden Unterschied – Inuyashiki nutzt seine Kräfte nicht, um seiner Familie zu helfen, er verschafft ihnen nicht mehr Geld und erzählt keinem von ihnen, dass er nun einen mechanischen Körper hat. Schließlich kommt Tochter Mari ihm aber auf die Schliche, nimmt das aber nicht zum Anlass, das Geheimnis zu erzählen, sondern ihren Berufswunsch zu verkünden: Sie will Manga-Zeichnerin werden. Nicht gerade der Wunschberuf von Eltern für ihre Kinder, ist der Markt doch hart umkämpft und brotlos, wenn nicht schnell erfolgreiche Serien produziert werden. Dennoch unterstützt Inuyashiki ihre Entscheidung. Als er Mari dann während des Kampfes mit Hiro auch noch das Leben rettet, ist das Eis gebrochen. Inuyashiki erzählt von seinem mechanischen Körper und seiner Sorge, nur eine Kopie des echten Inuyashikis zu sein – da er und seine Frau aber bald feststellen, dass er sich noch an intime Details aus ihrer Hochzeitsreise erinnern kann, akzeptieren sie ihn wie er ist und werden wieder zu einer echten Familie. Das Glück hält aber nur kurz an, als der Meteorit, der schon vorher durch die Nachrichten geisterte, nun zur echten Bedrohung wird. Anders als zuvor will die Familie ihn nun am Gehen hindern, aber Inuyashiki will es versuchen. Indem sowohl Hiro als auch er selbst sich selber explodieren lassen, können sie das Unglück abwenden. Obwohl Inuyashiki viel mit Helden gemeinsam hat, ist sein Ende doch wieder ganz anders: Zwar wird er als Held anerkannt und gewinnt die Zuneigung seiner Familie, so wie die meisten Helden sonst die Zuneigung einer Frau gewinnen. An seinem Höhepunkt muss er sich aber selber opfern – und ist im Weltraum genauso alleine, wie er es zu Beginn der Serie ist.

Wer die ungewöhnliche Superheldengeschichte von Inuyashiki selber erleben will, kann den Manga bei EMA lesen, der Anime kann auf Amazon geschaut werden.

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