Magi – The Labyrinth of Magic

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Eigentlich sollte es ein ganz normaler Tag werden: Ali Baba transportiert den Wein und die Sklaven seines Bosses, einem aufdringlichen Wichtigtuer, dessen einzige Sorge der Gewinn ist, durch die Wüste. Plötzlich bricht der Boden auf und ein riesiges Monster greift nach den Sklaven. Während Ali Babas Boss damit beschäftigt ist, den wertvollen Wein zu retten, gelingt es Ali Baba, ein Sklavenmädchen aus den Fängen des Monsters zu befreien, wird dabei aber selbst von dem Monster erwischt. Bewegt von seinem Mut greift ein frecher kleiner Junge namens Aladin ein, der mit einem fliegenden Teppich, Zauberstab und dem herbeigezauberten Wein des Bosses kurzerhand das Monster zu betrunken macht, um noch gefährlich zu sein und rettet Ali Baba damit das Leben. So ein Abenteuer schweißt zusammen. Die beiden neuen Freunde beschließen, von nun an auf eigenen Füßen zu stehen und betreten einen der geheimnisvollen Dungeons, die überall in der Welt vorhanden sind – wer den Dungeon bezwingt, wird nicht nur mit Reichtümern, sondern auch mit der Kraft eines magischen Dschinns belohnt. Klingt nach einem echten Abenteuer! Gemeinsam erreichen Ali Baba und Aladin tatsächlich die Spitze des Dungeons und erfahren dort, dass Aladin ein sogenannter Magi ist, einer von wenigen Zauberern, dessen Aufgabe es ist, einen König auszuwählen.

Wer glaubt, dass Ali Baba und Aladin sich im weiteren Verlauf ihrer Geschichte nun nach und nach allen verbleibenden Dungeons stellen, um Ali Baba zum König zu machen, der hat sich allerdings getäuscht. Neben anderen Magi mit ihren potentiellen Königen müssen sich die beiden Freunde vor allem politischen Problemen stellen, begonnen bei Ali Baba selbst – der ist tatsächlich der uneheliche Prinz des kleinen, unbedeutenden Landes Balbadd, das seit Ableben des Königs und Ali Babas Flucht von den weniger kompetenten Brüdern geführt wird. Das einfache und verarmte Volk, angeführt von Ali Babas früherem Freund Kasshim, mit dem er zusammen in dem Slums aufwuchs, bevor er vom König offiziell in den Palast aufgenommen wurde, droht den Palast zu stürmen. Mit vereinten Kräften können Ali Baba und Aladin die Situation lösen – allerdings nicht, indem Ali Baba sich zum König erklärt, so wie es von ihm gefordert wird, sondern indem er Balbadd zur Republik umwandelt.

Bereits in diesem ersten Handlungsstrang wird das zentrale Thema von Magi deutlich: Obwohl mit den Magi und den Dungeons ein System in der Welt besteht, das darauf abzielt, einen gemeinsamen König für alle zu finden, baut Ali Baba immer wieder Lösungen, die genau diesen König verhindern. Statt einem Alleinherrscher herrscht das Volk, statt einem einzigen Land existiert ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Länder, statt einer überlegenden Gruppe an Magiern werden alle Völker und alle Personen gleich geachtet – dieses zentrale Thema wiederholt sich in verschiedenen Variationen in allen Handlungssträngen. Allerdings nimmt längst nicht jeder Ali Babas Ideen begeistert auf. Alte Ideale, selbstsüchtige Wünsche und Angst vor Verlust der Macht sind dabei nur kleine Widersacher. Ali Babas ärgster Feind und doch ein Freund liegt in Sindbad. Sindbad ist bereits als Junge ein berühmter Dungeoneroberer geworden, verfügt über mehrere Dschinns, ist so König eines Landes geworden und war lange Zeit Ali Babas Helfer und Lehrer. Er glaubt aber auch, dass er allein der wahre König sein kann und schreckt dabei auch nicht davor zurück, mittels Gehirnwäsche andere seinem Willen zu unterwerfen – zum guten Zweck, versteht sich. Ali Baba steht für das genaue Gegenteil: Ein ehemaliger Prinz, der die Krone ablehnte, mit nur der Kraft eines einzigen Dschinns, mit einer gehörigen Portion Selbstzweifel und stets der Ansicht, dass nicht einer, sondern alle zusammen entscheiden sollten.
Tatsächlich ist Ali Baba ein typischer wie ein atypischer Shonen-Held zugleich: Auf der einen Seite ist er wie nahezu jeder große Shonen-Protagonist sehr beliebt, sympathisch, ein einfacher Kerl mit dem man sich gut verstehen kann. Auf der anderen Seite wird Ali Baba zwar auch nach und nach stärker, aber er verfügt über keinerlei besondere Fähigkeiten. Ali Baba ist stark, aber in den für das Shonen-Genre so typischen Kämpfen ist er kein Überflieger. Ali Babas wahre Fähigkeit – so sagt er später selbst – liegt vielmehr darin, das Beste aus den anderen herauszuholen: Um ihn versammeln sich verschiedene Leute, Ideen, prallen aufeinander und lassen etwas neues, besseres entstehen. Ali Baba ist die personifizierte Demokratie.

Bis Ali Baba selbst zu dieser Erkenntnis kommt, braucht es natürlich aber eine ganze Reihe verschiedener Abenteuer. Neben dem befreiten Sklavenmädchen Morgiana reisen die Freunde durch die ganze Welt und lernen verschiedenste Leute und deren Probleme kennen, darunter unter anderem das Kou-Reich und seinen Prinzen, die Balbadd beinahe ruiniert hätten. Auf der Suche nach seiner Vergangenheit und seiner Bestimmung als Magi besucht Aladin ein Land, in welchen ausschließlich Magier leben und muss dabei erfahren, dass er selbst eigentlich aus einer Parallelwelt stammt, die vor langer Zeit unterging. Wer die Abenteuer von Ali Baba und Aladin selbst erleben möchte, kann dabei auf zwei verschiedene Anime-Staffeln, Magi – The Labyrinth of Magic und Magi – The Kingdom of Magic wahlweise bei Anime on Demand streamen oder bei Kazé Anime kaufen. Kazé Manga bietet auch die deutsche Version des gleichnamigen Manga, der mit Band 37 Anfang nächsten Jahres seinen Abschluss erreicht. Inzwischen haben Alibaba und Aladin sich dort in einer futuristischen Welt, die nur noch wenig mit dem ursprünglichen 1001-Nacht-Setting zu tun hat, den Göttern entgegengestellt. Ob der Manga es damit vielleicht ein bisschen zu weit getrieben hat oder dies tatsächlich nur die letzte Stufe von der ultimativen Demokratie, die Ali Baba sucht, darstellt, darf jeder selber entscheiden. Und ganz nebenbei: Sindbad ist so beliebt, dass dieser inzwischen seinen eigenen Manga hat, der die Erfolgsgeschichte des Überfliegerkönigs erzählt – ob und wann der Manga nach Deutschland kommt, ist bislang allerdings offen.

Kazé bietet auch einen Trailer zur Serie:

 

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