Mangaka: Arina Tanemura

Shojo Pur

So wie sich manch Autor durch Bestseller oder langjährigen Erfolg nach und nach einen Namen machen kann, so können das auch Mangaka – selbst in Deutschland. Es gibt also eine Reihe von Mangaka, die dermaßen erfolgreich sind, dass ihre Werke grundsätzlich alle in Übersee erscheinen. Genau wie im Buchhandel wird dann auch hier mit dem Namen geworben. Dementsprechend gibt es einige Künstler, deren Namen und Zeichnungen man immer wieder finden wird. Eine von diesen Mangaka ist Arina Tanemura.

Arina Tanemuras Name steht vor allem für eines: Shojo! Selbst im breiten Gebiet des Shojo-Manga – also dem Manga für Mädchen, der typischerweise Liebesgeschichten erzählt – stellt Tanemura den Gipfel aller Shojo-Klischees. Neben den dem Genre geschuldeten schönen Protagonistinnen und ihren coolen Jungs, die sie anhimmeln, hebt sich Tanemura durch eine ganze Reihe weiterer Shojo-typischer Elemente hervor: Herumwirbelnde Blumen, Seifenblasen, schöne Kleider, wehende Haare, Introspektionen mit viel innerem Monolog, Fantasiebildern mit Symbolgehalt und nicht zu vergessen die extrem großen Augen, durch die Tanemuras Figuren leicht wiederzuerkennen sind. Insbesondere ihre zuckersüßen Mädchenfiguren mit den riesigen Augen, den niedlichen, wallenden Kleidern und ihren verspielten Frisuren sind typisch für Tanemuras Zeichenstil und stellen ihr zentrales Wiedererkennungsmerkmal. Genau hier liegt allerdings auch der Haken. Wer mehrere von Tanemuras Manga liest, der wird schnell feststellen, dass insbesondere die weiblichen Protagonistinnen äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden sind. Während ein Körper mit Modelmaßen und lange, helle Haare im Shojo-Manga nichts Ungewöhnliches sind, so fehlt Tanemuras Charakteren insbesondere im Vergleich untereinander teilweise das entscheidende Merkmal, um die Heldinnen auseinanderzuhalten.

Das wäre aber langsam dringend notwendig, denn Tanemura hat inzwischen eine ganze Reihe zuckersüßer Geschichten verfasst. My Magic Fridays erzählt die etwas ungewöhnliche Beziehung der älteren Ai zu ihrem jüngeren Nachbarn, deren Liebe vor einigen Hindernissen steht. In Mistress Fortune wird die süße Heldin nicht nur mit mangelnden Superkräften, sondern auch einem schwierigem Partner konfrontiert. In dem noch ganz jungen Demon ChicxHack schleicht sich Dämonin Giselle an eine Jungenschule, um ihrer Kindheitsliebe einen Wunsch zu erfüllen. Die graue-Maus-Protagonistin aus 31 I Dream wird mithilfe eines Wundermittels wieder eine süße Schülerin und wird prompt umschwärmt. Die junge Sakura aus Prinzessin Sakura, angelehnt an das bekannte japanische Märchen der Kaguya, auf der auch Die Legende der Prinzessin Kaguya beruht, verwandelt sich nachts in einen Dämon, was ihrem Verlobten dem Prinzen einiges an Sorgen bereitet. In Shinshi Doumei Cross muss sich die arme Haine in der Welt der Reichen zurechtfinden – und natürlich ist ihr Prinz der reichste Junge der Schule. In Time Stranger Kyoko möchte die Heldin ihrer Schwester helfen und verliebt sich dabei in ihren Bodyguard. Kamikaze Kaito Jeanne erzählt von einer Auserwählten, die Dämonen bannt und deren große Liebe dummerweise ihr größter Feind ist. Fullmoon wo sagashite handelt von der krebskranken Mitsuki, die sich per Magie in einen Popstar verwandelt. Daneben gibt es noch einige Einzelwerke. Arinas Love Story Collection enthält eine Sammlung an kleinen Liebesgeschichten, Die Fudanjuku Story erzählt zu jedem Mitglied der in Japan sehr beliebten Band Fudanjuku Kurzgeschichten. Etwas abseits steht das Beiwerk Arinas Sammelsorium, in dem sie mittels kleiner Geschichten Erlebnisse aus ihrem privaten Alltag festhält. Daneben haben es auch Tanemuras erste Geschichten, I*O*N und Squib Feeling Blue nach Deutschland geschafft.

Tanemuras Werke teilen sich also nicht nur alle ihren Zeichenstil, sondern es gibt mehrere narrative Elemente, die immer wieder bei ihr auftauchen. Das zentrale Thema all ihrer Manga ist ohne Frage die Liebe. Tanemuras Heldinnen sind meistens schon zu Beginn der Geschichte verliebt, werden aber durch eine Reihe von Hindernissen von ihrem Liebsten getrennt. Auch die für Magical Girls so typische Verwandlung taucht immer wieder auf – allerdings nicht immer in die magische Kämpferin, wie beispielsweise die kranke Mitsuki, die sich in den älteren, gesunden Superstar Full Moon in Fullmoon wo sagashite oder die 31-jährige Chikage, die über ein Wundermittel wieder zur süßen 15-jährigen wird, beweisen.  Daneben verweist Tanemura auch gerne auf das Idol-Setting. Idols sind vergleichbar mit Popsternchen, meistens Musiker, die sich auch ganz entscheidend über ihr Aussehen verkaufen. Fullmoon wo sagashite und 31 I Dream sind hier angesiedelt, Die Fudanjuku Story und My Magic Fridays verweisen darauf.

Auch narrativ bleibt Tanemura ganz dem Shojo verschrieben: Ernste Themen und Probleme können durchaus auftauchen, einen wirklich komplexen Plot sucht man allerdings vergebens. Ihre tiefgründigeren Geschichten sind Fullmoon wo sagashite, in der sich die junge Mitsuki nicht nur mit Krebs und ihrem nahenden Tod konfrontiert sieht, sondern gleichzeitig auch noch unter dem Verlust ihrer ersten Liebe leidet, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und für den sie tatsächlich sterben will. Auch die Todesgötter um Mitsuki, die sie bewachen, sind allesamt Selbstmörder und bringen ihre eigene dunkle Geschichte mit sich. Nicht ganz so düster aber nicht minder ernst ist Kamikaze Kaito Jeanne, wo Heldin Marron zusammen mit einem kleinen Engel Dämonen jagt, um Gott zu helfen – bis sich am Ende herausstellt dass ihre himmlische Begleiterin in Wahrheit für Satan arbeitet. Es folgen eine Krise, eine Begegnung mit Gott und jede Menge Referenzen auf das Christentum (wohlgemerkt gibt es in Japan nur eine verschwindend kleine Anzahl an Christen) und das hin- und hergerissen sein zwischen Gott und dem eigentlich sehr einsamen Satan. Darüber hinaus bleibt Tanemura aber vor allem der mädchenhaften Liebesgeschichte verschrieben, mit all ihren Dates, Schmetterlingen im Bauch, Missverständnissen, Dramen, Streits, Versöhnungen und dem Zueinander-finden.

In Deutschland erhältliche Manga von Arina Tanemura:

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