One Piece

one-piecePiraten ahoi!

One Piece gehört nicht zu den Serien, die durch einen besonders tiefgründigen, komplexen oder ansonsten irgendwie bemerkenswerten Inhalt bestechen – vielmehr ist es so, dass man bei der Beschäftigung mit Manga und Anime zwangsläufig irgendwann über diesen Wahnsinnserfolg One Piece stolpern wird. Mit derzeit über 800 Mangakapiteln, mehr als 700 Anime-Episoden, zahlreichen Filmen, Specials, Extras und einem ganzen Arsenal an Merchandising ist One Piece mit derzeit über 380 Millionen verkauften Exemplaren mit Abstand die erfolgreichste Manga-Serie aller Zeiten[1] und überholt dabei nicht nur andere große Shōnen-Titel wie Naruto oder Dragon Ball, sondern auch altbekannte Klassiker wie Astro Boy, Sazae-san oder Doraemon, die in Japan jedermann kennt. Die Serie läuft seit Juli 1997 und feiert damit nächstes Jahr seinen 20. Geburtstag – in inzwischen über 30 Ländern.

Es ist vor allem dieser immense Erfolg, den man zunächst an One Piece bemerkt. Die Serie gehört zu den Titeln, die man allesamt als die großen Shōnen-Titel – zu denen neben dem bereits erwähnten Naruto unter anderem auch Fairy Tail und Bleach zählen – bezeichnen könnte: Alle mit einem grundsätzlich ähnlichen Plot über einen Jungen, der durch immer anspruchsvollere Kämpfe immer stärker wird und mit vielen, vielen Hunderten an Manga-Kapiteln und Anime-Episoden oft länger als ein Jahrzehnt fortgesetzt wird.

Die Grundlage der Story ist denkbar einfach, denn Monkey D. Ruffy[2] will nur eines: Er will den legendären Schatz One Piece finden und damit gleichzeitig der nächste Piratenkönig werden. Kaum ist alt genug ernennt er sich selbst zum Piraten und sticht – zuerst mit einer Nussschale an Boot – in See. Von diesem Moment an stolpert Ruffy von einem Abenteuer ins nächste und gerät dabei häufig in wilde Kämpfe, sei es mit der Marine oder mit anderen Piratenbanden, die ebenfalls auf der Suche nach dem One Piece sind. Ruffy ist für diese Situationen aber bestens gerüstet. Als Kind aß er versehentlich eine der sogenannten Teufelsfrüchte, die einem – je nach Frucht –  verschiedene übermenschliche Fähigkeiten verleihen (dabei aber leider ziemlich eklig schmecken). Seitdem Ruffy die Gum-Gum-Frucht gegessen hat ist er ein Gummimensch und kann seinen Körper beliebig strecken, dehnen und verformen. Ein unglücklicher Nebeneffekt der Teufelskräfte: Man wird absoluter Nichtschwimmer – etwas ungünstig, wenn man als Pirat permanent auf dem Meer unterwegs ist. Bei diesem Problemchen hilft Ruffy seine nach und nach zusammengestellte schräge Piratenbande. Gemeinsam erleben sie auf der  Grand Line – einer ganz besonderen Schiffsroute, die die ganze Welt umspannt und auf der die unterschiedlichsten Inseln zu finden sind – jede Menge Abenteuer mit einer großen Portion Humor. Dabei geht es längst nicht immer um die eigentliche Schatzsuche: stattdessen dreht sich die Story auch um die dubiosen Pläne der Weltregierung, das merkwürdige D., das neben Ruffy auch andere Figuren in ihrem Namen tragen, Rassismusprobleme zwischen Menschen und Fischmenschen, Piratenkaiser und deren Intrigen, Himmelsinseln…  Jede neue Insel, die die Freunde besuchen, bringt ein ganz neues Set an Problemen mit sich, sodass es inzwischen neben unzähligen Orten und Figuren auch diverse nebeneinander laufende Handlungsstränge gibt. Damit ist die gesamte Geschichte von One Piece inzwischen viel zu umfangreich, um sie hier genauer zusammenzufassen – die deutschsprachigen und englischen Wikipedia-Einträge (und deren Weiterleitungen, denn auch für eine einzelnen Wikipedia-Eintrag ist es zu viel Stoff) sowie die von Fans erstellten One Piece-Wikis in Deutsch und Englisch bieten eine Fülle an Erläuterungen und Beschreibungen sowie interessante Details.

One Piece teilt sich mehrere markante Merkmale, die man auch in anderen großen Shōnen-Titeln ausmachen kann. Das erste sind die bereits erwähnten Kämpfe. Die Protagonistengruppe sieht sich dabei immer wieder mit neuen (fiesen) Feinden konfrontiert, die sich der Gruppe in den Weg stellen und es zu besiegen gilt. Bei den Kämpfen handelt es sich allerdings nicht um einfache Prügeleien, denn kaum eine Figur kommt hier ohne irgendwelche übermenschlichen Fähigkeiten daher. Ruffy hat dank seiner Eigenschaft ein Gummimensch zu sein außerordentlich Probleme gegen jemanden zu kämpfen, der sich durch eine andere Teufelsfurcht in Sand verwandeln kann – ein physischer Schlag hat gegen Sand einfach keinen Effekt. Dafür hat er aber ein leichtes (und unerwartet) Spiel gegen einen Blitzmenschen. Neben Kämpfen und besonderen Kräften sind auch die typischen Protagonisten solcher Shōnen-Titel sehr ähnlich: ziemlich naiv, oft auch ein bisschen dumm, alle mit einer ganz eindeutigen und lächerlichen Schwachstelle, dafür aber grundsätzlich gerecht und gutherzig. In den meisten Serien kommen oft noch eine ganze Reihe weiterer Charaktere vor, von sehr sympathisch bis extrem merkwürdig– so auch bei One Piece, wo Mangaka Oda sowohl Freund auch Feind nicht nur interessante Fähigkeiten, sondern oft auch ein schrulliges Aussehen verpasst.

Inzwischen gibt es von One Piece ein ganzes Arsenal an Merchandise, viel zu viel um hier auch nur ansatzweise genauere Daten vorzustellen. Neben dem Manga selbst, der bei hier Carlsen Manga erscheint, gibt es auch mehrere Artbooks – einige davon auch in Deutschland erhältlich – sowie zusammenfassende Manga-Bände sowie Manga-Spinoffs. Dank Kazé-Anime kommen deutsche Fans auch nach und nach in den Genuss der inzwischen weit über 700 Folgen langen Anime-Serie, vielen weiteren TV-Specials und einer Mehrzahl der derzeit 13 verschiedenen Kinofilmen. Gleichzeitig läuft die Serie auch auf dem Sender ProSieben MAXX, der in seinem Webangebot auch eine eigene One Piece-Seite anbietet, auf der man die letzten Folgen komplett ansehen kann. Hinzu kommen eine ganze Reihe an Videospielen für verschiedene Plattformen – mehrere davon ebenfalls in Deutschland erhältlich -, ein Sammelkartenspiel, Soundtracks sowie viele typische Merchandising-Artikel, wie Figuren, Kleidung, Schlüsselanhänger, uvm. In Japan gibt es sogar Repliken der beiden Piratenschiffe von Ruffys Bande (hier die Version des derzeitigen Schiffs Thousand Sunny).

Ein Ende des Erfolgszugs von Ruffy und One Piece ist nicht in Sicht, womit auch vollkommen offen bleibt, wie lange Ruffy noch brauchen wird um das One Piece zu finden. Aber bereits jetzt kann man sagen, dass One Piece aufgrund seiner immensen Popularität und des beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolgs einer jener Titel sein wird, die innerhalb der eigentlich schnelllebigen Manga-Szene im Gedächtnis bleiben werden – selbst wenn es irgendwann einmal dann doch „Ende in Sicht!“ heißen sollte.

[1] Quelle – Wikipedia-Liste der erfolgreichsten Manga

[2] Manchmal auch Luffy – im Deutschen wurde er Ruffy genannt, im Englischen ist er mit Luffy lokalisiert.

 

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