Ranma ½

Beides in einem!

Ranma ½ ist einer dieser Klassiker, die man einfach kennen muss. Die Geschichte stammt aus der Feder von Rumiko Takahashi, die man in Deutschland neben Ranma ½ vor allem durch ihre ähnlich erfolgreiche Serie Inu Yasha kennt. Takahashis Werke lassen sich in der Regel nicht eindeutig dem Shonen- oder Shojo-Typ zuordnen und agieren auf einem eigenwilligen Mittelweg, der den Schwerpunkt vor allem auf den Humor legt. Ranma ½ gehört zu ihren größten Erfolgen und ist einer der Anime, der auch lange Zeit im deutschen Fernsehen lief.

Genma Saotome und Soun Tendo sind alte Freunde und beschließen kurzerhand, Genmas Sohn Ranma mit der jüngsten Tendo-Tochter Akane zu verloben, damit die familieneigene „Kampfschule für Schlägereien aller Art“ fortgeführt wird. Dabei gibt es nur zwei zentrale Probleme: 1. Akane und Ranma hassen einander und 2. Ranma wird gelegentlich ein Mädchen.

Der Ursprung allen Übels ist die verwunschene „Quelle des ertrunkenen Mädchens“ – wer in diese fällt, verwandelt sich fortan bei Kontakt mit kaltem Wasser in ein Mädchen. Heißes Wasser macht die Verwandlung wieder rückgängig. In besagten Quellen sind allerdings noch jede Menge andere Opfer ertrunken – Männer, Katzen, Pandas, Enten – sodass sich die Figuren bei Regen, durch Pfützen, durch versehentlich verschüttetes Blumenwasser, am Strand oder durch tollpatschige Bedienungen, die Getränke fallen lassen, permanent in allerlei merkwürdige Gestalten verwandeln. Dabei wird ein kompliziertes Beziehungsnetz entworfen: Ranma und Akane haben eine Art Hass-Liebe. Dazu kommt Ranmas Möchtegern-Verlobte Shampoo, die Mädchen-Ranma töten will und sich selber in eine Katze verwandelt, die Ranma auf den Tod nicht ausstehen kann. Shampoo selbst hat einen Verehrer, der sich regelmäßig in eine unansehliche Ente verwandelt. Daneben hat Mädchen-Ranma ihre eigenen Verehrer, die nichts von „ihrer“ eigentlichen Identität als Junge wissen – und so weiter…

Ranma ½ besticht vor allem durch das ständige Brechen mit Erwartungen und dem gnadenlosen Umgang mit althergebrachten Geschlechterrollen. Ranma ist mal Junge, mal Mädchen. Seine Persönlichkeit bleibt aber im Kern die eines Jungen, sodass Mädchen-Ranma regelmäßig aus den Erwartungen fällt. Mitunter arbeitet Ranma aber auch bewusst mit seiner Mädchenseite und gibt sich überbetont niedlich und freizügig – und ist damit manchmal mädchenhafter als seine Verlobte Akane, die ebenfalls eher burschikos ist. Die eigensinnigen Figuren schrecken dabei auch nicht davor zurück, ihre jeweilige Verwandlung zu ihrem eigenen Vorteil auszuspielen. Hinzu kommen die beiden unnützen Väter und weitere Kampfmeister – also eigentliche Respektpersonen – die im Laufe der Story aber in aller Regel eine lächerliche Rolle übernehmen. Gerade dieses permanente Spielen mit scheinbar selbstverständlichen Rollen ist nicht nur Quelle des Humors, sondern auch zentrale Möglichkeit für die Serie: Indem verschiedene Erwartungen und soziale Rollen deutlich vorgeführt und schließlich ins Lächerliche gezogen werden, ergibt sich hier ideal die Möglichkeit, die eigenen Erwartungen und Vorstellungen zu hinterfragen. Dabei muss man aber auch eindeutig festhalten, dass Ranma ½ klar mit den klassischen, althergebrachten getrennten Genderrollen von Jungen und Mädchen arbeitet und sich eindeutig nicht mit Themen wie Transgender oder -sexualität o.Ä. auseinandersetzt.
Das Spiel mit den Geschlechtern, Gender und die Erwartungsrollen daran ist etwas, was im Manga vergleichsweise oft thematisiert wird. Das meint nicht nur die expliziten Darstellungen von gleichgeschlechtlicher Liebe in Form von Yaoi und Yuri. Auch in Manga, die sich nicht vorrangig mit dem Thema auseinandersetzen, sind burschikose Mädchen oder Jungen, die ausgesprochen weiblich aussehen, keine Seltenheit – und sorgt auch hier für humorvolle Einlagen, stellt aber auch immer die Frage nach Akzeptanz.

Neben all diesen urkomischen Irrungen und Wirrungen legt der Manga viel Wert auf den Kampfsport. Die „Schlägereien aller Art“ werden hier im wahrsten Sinne des Wortes umgesetzt – dabei handelt es sich nicht nur um eine Art von „alles ist erlaubt“, sondern auch um verschiedenste Wettkampfdisziplinen, was doch für allerlei merkwürdige Auseinandersetzungen sorgt (die dann natürlich von allerlei gewollten und ungewollten Verwandlungen begleitet werden). Diese verschiedenen Wettkämpfe geben gleichzeitig auch die Möglichkeit, den Titel leicht in verschiedene Abschnitte zu untergliedern, sodass man sich mit ausreichend Vorwissen auch mit einzelnen Handlungssträngen auseinandersetzen kann.

Ob Ranma und Akane am Ende doch noch zusammenfinden und ob Ranma sein Dasein weiterhin als ½ fristen muss, lässt sich in dem von EMA publizierten Manga nachlesen. Die Serie wurde auch in 161 Folgen als Anime umgesetzt, inzwischen müssen die entsprechenden Boxen aber über Drittanbieter gesucht werden. Daneben gibt es in Japan selbst allerlei OVAs, Verfilmungen, Spiele, Soundtracks und Co., die aber nie den Weg nach Übersee geschafft haben.

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