Vokabular: kawaii und moe

Sich mit Manga und Anime zu beschäftigen bedeutet auch, dass man sich sowohl innerhalb der Fangruppen und Communities als auch in der Forschung mit einem speziellen Vokabular konfrontiert sieht. Dazu gehören beispielsweise  Yaoi, Dojinshi, Kabedon, Seme, Uke, Tsundere – wer sich mit Manga und Anime auseinandersetzen will, der benötigt auch ein Grundverständnis der dazugehörigen Begrifflichkeiten.

Vielleicht haben Sie ja schon mal von Japans Kawaii-Kultur gelesen – einer Kultur, die das Süße und Niedliche besonders betont. Kawaii spielt als Begriff innerhalb der Forschung derzeit keine größere Rolle, aber innerhalb der Fankultur ist er öfter anzutreffen – es handelt sich also vor allem um einen Begriff, der von Fans verwendet wird. Simpel übersetzt bedeutet kawaii niedlich oder auch süß, wobei der Begriff selber frei von jeglichen sexuellen Untertönen bleibt. In Fankreisen wird man auch öfter wai lesen bzw. hören („waaaaiiiii!„), was eine schlichte Abkürzung von kawaii ist.

Nicht dasselbe, aber dennoch damit verwandt, ist das erheblich komplexere Wort moe. Moe leitet sich dabei ab von dem japanischen Verb moeru, was sich sowohl  als brennen, glühen oder Feuer fangend als auch als sprießen bzw. Sprossen treibend übersetzen lässt. Auf eine genaue Definition von moe hat man sich bislang nicht geeinigt und es ist nach wie vor schwierig, den Begriff Außenstehenden näher zu bringen. Er bezeichnet eine intensive emotionale Investition – meistens in bestimmte Figuren, Gegenstände oder auch Verhaltensweisen. Wird etwas als moe bezeichnet, dann drückt der Sprecher damit aus, dass er sich diesem Gegenstand extrem emotional verbunden fühlt und das dieser positive, nahezu romantische – und je nach Definition sogar auch sexuelle – Gefühle auslösen kann. Ein veraltetes Verständnis von moe umschreibt diesen Begriff mit Wörtern wie jung, süß oder auch weiblich. Tatsächlich wurde moe zunächst von männlichen Fans verwendet, um die jungen Heldinnen von Anime und Manga, die merkwürdig unschuldig sexualisiert wurden, zu umfassen. Heute wird der Begriff weiter verwendet. So kann man beispielsweise auch bestimmte Gegenstände als moe bezeichnen. Brillen sind hierfür ein mögliches Beispiel – so wird aus der Brille (jap: megane) dann megane-moe, was dann bedeutet, dass der Sprecher intensiv zu Brillenträgern hingezogen fühlt – mitunter auch so, dass diese Zuneigung schwindet, wenn die Brille abgelegt wird. Ein weiteres prominentes Beispiel, das ebenfalls oft als moe gilt, sind Tiermerkmale – besonders oft Tierohren (insbesondere Katzenohren). Aber auch bestimmte Verhaltensweisen können als moe gelten, beispielsweise besonders auffällige Tollpatschigkeit, Hilflosigkeit oder auch typische Verhalten des Charaktertyps Tsundere – diese Figuren scheinen aggressiv, sind aber in Wahrheit sanft und verletzlich. Obwohl es einige sehr typische moe-Beispiele gibt, lässt sich dementsprechend mit diesem Verständnis inzwischen nahezu alles als moe bezeichnen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass es sich um eine subjektive Bezeichnung handelt – nicht alle Fans finden Brillen, Katzenohren oder Tsundere moe.

Im direkten Vergleich zum neutraleren kawaii ist moe deutlich intensiver, was auch die Frage aufwirft, inwieweit moe mit Sexualität bzw. sexuellen Konnotationen verknüpft ist. Die Meinungen gehen hierbei auseinander, was vor allem durch das sehr unterschiedliche Verständnis von Otaku-Sexualität bedingt ist. Für ein allgemeines Grundverständnis reicht es zu wissen, dass der Begriff in den meisten Fällen nicht explizit sexuell gemeint ist, aber dennoch eine solche Bedeutung annehmen kann.

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