Vokabular: seme und uke

Sich mit Manga und Anime zu beschäftigen bedeutet auch, dass man sich sowohl innerhalb der Fangruppen und Communities als auch in der Forschung mit einem speziellen Vokabular konfrontiert sieht. Dazu gehören beispielsweise  Yaoi, Dojinshi, Kabedon, moeTsundere – wer sich mit Manga und Anime auseinandersetzen will, der benötigt auch ein Grundverständnis der dazugehörigen Begrifflichkeiten.

Wer sich mit Yaoi, Shonen-Ai bzw. Boys‘ Love-Manga beschäftigt, der wird innerhalb der Fankultur zwangsläufig über die Begriffe seme und uke stolpern. Häufig werden seme dabei als „oben“ (bzw. top) und uke als „unten“ (bottom) erläutert, was vor allem die Positionierung beim Geschlechtsverkehr beschreibt. Inzwischen gehen die Begriffe aber auch so weit, dass sie einen bestimmten Charaktertypen innerhalb einer Beziehung beschreiben. Uke – abgeleitet aus dem Japanischen ukeru (dt.: erhalten) – ist der unterwürfige, passive Part – oder auch einfach der, der beim Geschlechtsverkehr „unten liegt“. Der seme entspringt semeru (dt: attackieren) und ist das entsprechende Gegenstück zum uke: Seme bezeichnet den dominanten, angreifenden Partner. Diese Charaktertypen gehen so weit, dass sie sich auch im Aussehen der Figuren bemerkbar machen. Uke-Figuren sind generell kürzer, süßer, emotionaler, mit längeren Haaren und größeren Augen, generell femininer als die seme, die dementsprechend größer, muskulöser, aggressiver, oft älter und „männlicher“ sind. Mit dem Begriffen des seme und uke werden damit trotz der theoretisch gleichgeschlechtlichen Beziehung in Yaoi klare Genderrollen geschaffen, bei denen der uke die Rolle der Frau übernimmt – sowohl im Aussehen als auch letztendlich in der Penetration – während der seme den stereotypen männlichen Part darstellt.

Seme und uke stellen zwar ein häufig verwendetes Stereotyp in Yaoi dar, das bedeutet aber nicht dass sich jeder auch tatsächlich daran halten muss. Einige Beispiele gehen erheblich freier mit ihren Charakteren um, sodass Rollen getauscht werden können, oder sich der scheinbare uke als seme entpuppt. Andersherum werden die Begriffe aber auch von Fans verwendet, um homosexuelle Pärchen außerhalb von Yaoi zu beschreiben – also Figuren, die innerhalb ihrer Originalgeschichte keine Beziehung haben.

In Deutschland gibt es natürlich inzwischen jede Menge Yaoi-Manga – viel zu viele, um sie alle aufzählen zu wollen. Interessant sind in diesem Sinne aber auch Manga, die Yaoi-Fangirls (satirisch) auf die Schippe nehmen: Die Freundinnen in Fetish Berry und in Küss ihn, nicht mich! streiten sich immer wieder darüber, ob bestimmte Pärchen FigurA x FigurB oder FigurB x FigurA heißen sollen. Was zunächst nach einem ziemlich sinnlosen Konflikt aussieht – so oder so werden beide als Paar gesehen – ist in Wahrheit ein Streit darüber, welche der Figuren die Seme-Rolle einnimmt.

Verwandte Begriffe zu seme/uke sind tachi und neko, wobei tachi dem seme und neko dem uke entspricht. Während seme und uke eindeutig sexuell konnotiert sind, bezeichnen tachi und neko ursprünglich nur Charaktertypen. Heutzutage gelten diese Begriffe aber als veraltet, innerhalb der Fankultur wird man ihnen kaum begegnen.

Interessant ist noch der Blick auf das Yuri-Genre, also Manga mit homosexuellen Beziehungen zwischen Frauen. Hier haben sich sowohl seme/uke als auch tachi/neko kaum durchgesetzt, sodass es tatsächlich kein entsprechendes Gegenstück gibt um Charaktertypen in Yuri-Manga zu kennzeichnen.

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